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Algiers – There Is No Year

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Das Markenzeichen der Algiers ist deren Experimentierfreudigkeit. Post-Punk, Gospel, Blues, oder Industrial sind nur einige der Genre-Bezeichnungen, die die Fachleute aufs Papier bringen, um mit ihrem Versuch, die Musik des US-amerikanischen Quartetts auf irgendeine Sparte festzunageln, trotzdem meist zu scheitern.

Dieses Dilemma wird auch mit „This Is No Year“ nicht wirklich einfacher. Der Titel des dritten Studioalbum der Algiers lässt das schon erahnen. „This Is No Year“ ist nach dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers Blake Butler benannt.

Der Romancier hat sich in der Literatur einen Namen damit gemacht, weitab der traditionellen Pfade zu wandeln und in seinen Werken interviewartige Monologe mit poetisch anmutenden Versen zu kombinieren. Er ist sozusagen die Algiers der Literaturwelt. Oder sind die Algiers der Butler der Musikwelt?

So oder so funktioniert „There Is No Year“ perfekt als Soundtrack zu den obskuren Szenarien, die Butler in seinem Roman skizziert. Denn müsste man sich für ein Adjektiv entscheiden, welches das dritte Studiowerk der Algiers am besten beschreibt, dann trifft es am ehesten „düster“.

Kein einziger Song auf „There Is No Year“ versprüht Freude, Glück oder so etwas wie Frühlingsgefühle, zu denen der Weg bei 14 Grad im Januar wahrlich kein steiniger ist.

Aber genau hier liegt auch das Problem. In Zeiten von Klimaskeptikern, abgeschossenen Passagierflugzeugen und Waldbränden mit den geographischen Ausmaßen von Bayern und Baden-Württemberg, ist die Welt nicht gerade ein Ort, der Grund zur Freude veranlasst.

Im Angesicht der derzeitigen Lage, bekommen Titel wie „Hour Of The Furnaces“ eine ganz neue Schwere, der man wenig entgegen setzen kann. Zu industriellem Wabern gesellt sich ein mechanischer Beat und melancholische Klavierharmonien, die die Tiefe in Franklin James Fishers Stimme perfekt unterstreichen:

„And I wish I could say that one day / We’ll all be okay“. Worte, die jeden Tag wahrer zu werden scheinen.

„There Is No Year“ entfaltet mit seinen düsteren Klängen eine auditive Apokalypse. Irgendwo zwischen Post-Punk, Industrial, Depeche Mode und neuinterpretiertem R’n’B liefert man sich einen Tanz auf Messers Schneide, dessen roter Faden die stimmliche Ausdruckskraft von Fisher ist.

Diesem Sog kann man sich einfach nicht entziehen.

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