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Destroyer (Credit Ted Bois)

Die Musik ist ein Mysterium – Destroyer im Interview

Mit seinem neuen, mittlerweile 13. Destroyer-Studiowerk „Have We Met“ ist Dan Bejar ein wahres Meisterwerk gelungen. Sicher, ähnlich euphorisch reagierte man auch schon in der Vergangenheit. „City Of Daughters“, „Your Blues“, „Poison Season“: Es gab im zwischen Licht und Schatten spendenden Destroyer-Universum schon viel Grund zum Jubeln. Aber „Have Me Met“ spannt den Bogen noch etwas weiter. Noch mehr Romantik, noch mehr Groove, noch mehr Abgründe: Ein knappes Vierteljahrhundert nach ihrem Debütalbum „We’ll Build Them A Golden Bridge“ grüßen Destroyer und Dan Bejar vom höchsten aller Gipfel. Wir trafen den gelockten Projekt-Hauptverantwortlichen zum Interview und sprachen über holprige Pfade, einzigartige Begleiter und spannende Inspirationsquellen.

MusikBlog: Dan, es gibt Leute, die behaupten, „Have We Met“ habe das Zeug dazu, irgendwann einmal ganz oben auf der Liste deiner besten Studioalben zu stehen. Siehst du das ähnlich?

Dan Bejar: Über solche Dinge mache ich mir nur wenige Gedanken. Ich meine, das eine Album gefällt dem einen besser, und das andere dem anderen. So war es schon immer. Und ich denke, daran wird sich auch nichts ändern. Ich bin sehr froh, dass das Album überhaupt einen Weg gefunden hat. Und ja, vielleicht hat „Have We Met“ in zehn Jahren einen ganz besonderen Stellenwert. Im Hier und Jetzt bin ich, wie gesagt, erstmal nur happy, dass ich überhaupt über ein neues Album reden.

MusikBlog: Was war denn diesmal so schwierig?

Dan Bejar: Das kann ich gar nicht so genau sagen. (lacht) Eigentlich wollte ich ein rohes, sehr raues und kantiges Album aufnehmen. Ich wollte weg von diesen typisch melodischen Arrangements. Ich wollte andere Energien erzeugen. Keine Ahnung, irgendwann entschied sich das große Ganze aber für einen anderen Weg – was aber auch völlig ok ist. Ich meine, alle meine Ideen landeten irgendwann bei John (John Collins, langjähriger Musikpartner von Dan Bejar) auf dem Tisch. Und er hatte wohl zu große Bedenken, dass alles zu sehr in die Trip-Hop-Richtung driften könnte. (lacht) Naja, er hat dann seine Ideen mit einfließen lassen. Und schlussendlich entstand dann daraus dann genau dieses Album. Im Nachhinein bin ich froh, dass alles so passiert ist. Wenn man andere Pläne hat, es am Ende aber dennoch ein großartiges Finish gibt, dann ist das schon etwas ganz Besonderes.

MusikBlog: Die Personalie John Collins ist eine ganz wichtige Komponente innerhalb des Destroyer-Gesamtbilds. Ihr kennt euch schon seit über 20 Jahren. Wie würdest du John beschreiben?

Dan Bejar: John ist ein sehr offener Mensch. Er hört sich alles an. Und er findet auch erstmal alles total spannend. Seine besondere Gabe ist es, die Ideen von außen in etwas umzuwandeln, das von vorne bis hinten nach John klingt. Das ist wirklich faszinierend. Und ich liebe diese Eigenschaft. Selbst, wenn er nur kleine Schnipsel bekommt, lose Gedankengänge oder wirre Noise-Sounds: John ist immer in der Lage, große Kunst daraus zu machen. Er ist jemand, der unheimlich detailversessen arbeitet. Das kann manchmal ganz schön frustrierend sein. Es führt aber in der Regel dazu, dass man am Ende eines Prozesses mit einem dankbaren Lächeln vor ihm sitzt.

MusikBlog: Ein Destroyer-Album ist immer auch eine Wundertüte. Man weiß nie, was als Nächstes kommt, und dennoch ist irgendwie immer ein roter Faden zu erkennen. Wie gelingt euch dieser Brückenschlag?

Dan Bejar: Nun, die Musik ist ein Mysterium. John hat da schon ganz eigene Vorstellungen. Ich bin da auch nicht festgefahren, sondern sehr offen was die Möglichkeiten der Sounds betrifft. Man lässt sich natürlich auch inspirieren. Manchmal ist es eine bestimmte Platte, die man gerade hört. Ich beispielsweise höre permanent Musik. Ich weiß zwar nicht, was am Ende haften bleibt und eventuell auch in meine Arbeit mit einfließt. Aber ich bin ständig von Musik umgeben.

MusikBlog: Gibt es auch Inspirationsquellen außerhalb der Musik?

Dan Bejar: Ich schaue auch viele Filme. Diesmal musste ich während des Albumprozesses oft an den Film „Bis Ans Ende Der Welt“ von Wim Wenders denken. Das hat irgendwie atmosphärisch total gepasst. Man kann Musik sicherlich in gängigen Formen abarbeiten. Man kann bestimmten Prozessen folgen. Wenn es aber um den Sound an sich geht, dann gibt es keine Regeln mehr.

MusikBlog: Du bist bekannt für deine kryptischen Inhalte. Welche Inspirationsquellen sind hier besonders wichtig?

Dan Bejar: Ich bin ein Freund der Sprache. Ich murmele ständig irgendwelche Sachen in mein Handy. Zumeist weiß ich aber erstmal gar nicht, ob und wofür das alles gut ist. Viele Sachen verschwinden auch irgendwann wieder in der Versenkung. Manche aber bleiben haften und werden irgendwann mit musikalischen Zuarbeiten konfrontiert. So entstehen dann Songs – irgendwie.

MusikBlog: Und diese Songs finden dann irgendwann auch den Weg auf die Bühne. Welche Bedeutung hat das Livespielen für dich?

Dan Bejar: Auf der Bühne zu stehen, ist schon etwas ganz Besonderes. Wer mit der Destroyer-Geschichte vertraut ist, der weiß, dass sich die Songs auf der Bühne immer auch noch einmal transformieren. Wenn wir die Lieder live mit einer Band performen, dann ist das eine Weiterführung dessen, was Monate zuvor im Studio seinen Ursprung fand. Ich bin immer irgendwie hin und her gerissen. Wie gesagt, ich liebe die Bühne. Aber ich liebe auch den Moment, wenn ein Song entsteht, und man diesem Prozess beiwohnen darf. Das kann schon ziemlich aufregend und magisch sein. Ich bin wirklich dankbar und froh, dass ich beide Welten leben und genießen darf.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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