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Agnes Obel – Myopia

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Wenn das eigene Bewusstsein im Manipulationsrausch ist, fahren Gedanken und Emotionen schneller Achterbahn als einem lieb sein kann. Agnes Obel kennt das Gefühl, wenn sich im Inneren plötzlich Zweifel und Vertrauen gegenüberstehen und nicht abzusehen ist, in welche Richtung die Emotionen ausschlagen werden.

Auf ihrem neuen Studioalbum „Myopia“ skizziert die dänische Songwriterin ein musikalisches Bild der Zerrissenheit. Inmitten einer Klangwelt aus zirpenden Streichern und detailverliebt untermalten Klavierakkorden positioniert Agnes Obel ihr kristallklares Organ wahlweise über oder unter dem Hauptgeschehen.

Zusammengehalten von zerbrechlichen, („Roscian“) verstörenden („Drosera“) und atmosphärischen („Parliament Of Owls“) Instrumentalklängen, bahnen sich tiefgehende Trostdramen („Island Of Doom“), mitreißende Kreativität („Can’t Be“) und auf weichen Kissen gebettete Anti-Insomnia-Sounds („Broken Sleep“) ihren Weg in ein bezauberndes Klanguniversum, in dem stilistische Festgefahrenheit auf blütenweißen Engelsflügeln davongetragen wird.

Abermals setzt Agnes Obel ein dickes Mystik-Pop-Ausrufezeichen, an dem sich Branchengleichgesinnte messen lassen müssen. Was im Jahr 2010 mit „Philharmonics“ begann, auf dem Folgewerk „Aventine“ (2013) unbeirrt weiter entwickelt wurde und drei Jahre später noch einen weiteren Schritt nach vorne machte („Citizen Of Glass„), erreicht dieser Tage nun seinen vorläufigen Höhepunkt.

„Myopia“ ist Atmosphäre pur, so viel ist sicher. Wer hier mitreden und der dänischen Ausnahmekünstlerin in puncto Stimmung und Tiefe auf Augenhöhe begegnen will, der muss sich ordentlich ins Zeug legen.

Der Hörer ist froh, dass er sich dieser Herausforderung nicht zu stellen braucht, sondern einfach nur genießen kann. Und das in vollen Zügen.

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