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Baxter Dury (Credit Tom B)

Baxter Dury – The Night Chancers

In Zeiten, wo Ungewissheit die beherrschende Konstante des Alltags ist, ist es beruhigend zu wissen, dass einige Dinge sich trotzdem nicht ändern. Dazu zählt unter anderem der Sound von Baxter Dury.

Denn auch das mittlerweile sechste Solo-Album des Sohnes der verstorben Post-Punk-Legende Ian Dury überzeugt vor allem durch seinen Brummbär-Charme, der stetig zwischen schlurfend und rotzig hin und her wandert.

Letzteres stellt Baxter Dury gleich mit dem Opener „I’m Not Your Dog“ klar, den er mit den Worten „I’m not your fucking friend“ beginnt und damit gleich klarstellt, dass auf „The Night Chancers“ auch mal ein rauer Ton das Sagen hat.

Der französische Background-Gesang könnte fehl am Platz wirken, wären da nicht die vordergründigen Streicher-Arrangements, die der Dame im Hintergrund den entsprechenden Boden unter den Füßen geben.

„Slumlord“ funktioniert nach ähnlichem Prinzip. Streicher-Riffs kombiniert mit einer eingängige Bass-Line treffen auf säuselnden, weiblichen Background-Gesang.

Nur rotzt Dury seine Zeilen hier deutlich mehr, statt sie zu singen und klingt nicht nur Dank des Akzentes unweigerlich wie eine unwesentlich weniger wütende Version seiner Landsleute von Sleaford Mods.

Leider schafft Dury es nicht ganz, diese Stärke auf Albumlänge zu halten. „Samurai“ beispielsweise ist eine Spur zu plakativ. Das Frauengestöhne, das wenig Zweifel an seiner Herkunft lässt, in Kombination mit einer schnöden Bass-Linie und wenig kreativen Lyrics lassen einen bei dieser dreiminütigen Nummer wegdösen. Auch die Streicher machen das nicht besser, sondern wirken hier inflationär.

„Carla’s Got A Boyfriend“ rüttelt einen aber kurze Zeit später wieder wach. Die groovige Basslinie ist Hauptverantwortliche für das zurückgelehnte Flair, das Dury mit seiner samtigen Stimme, die unaufgeregt über Carlas neuen Freund berichtet, perfekt einbettet.

Ein Thema, mit dem sich mittlerweile jeder identifizieren kann; denn wer hat sich nicht schon dabei erwischt, Person X heimlich bei Instagram zu stalken, sich danach dafür zu schämen und seine Finger am nächsten Tag trotzdem noch genau so wenig im Griff zu haben.

Auch „Say Nothing“ kommt nicht ohne Streicher aus – wenn man Dury mit „The Night Chancers“ einen Vorwurf machen wollen würde, dann am ehesten die Übernutzung von Streich-Arrangements.

Aber wenn die im letzten Song perfekt zu einem wiederholten „Baxter loves you“ duettieren, ist man wieder versöhnlich gestimmt.

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