Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages
Austra (Credit Virginie Khateeb)

Austra – HiRUDiN

Musikalisch begnadet sein und packende Melodien oder spannende Sound-Experimente kreieren, ist das eine. Sie lyrisch mit bewegenden Gedanken aufzuhübschen das andere.

Das Trio Austra aus Toronto macht sich auf seinem vierten Studioalbum unkonventionelle Arrangements zu nutze und setzt in seinem Electro-Pop auf Überraschungsmomente.

Sängerin Katie Stelmanis galt immer schon als eine Künstlerin, die in beiden dieser Disziplinen glänzen konnte. Als Teil von Austra thematisierte sie auf dem dritten Album der Band „Future Politics“, wie äußere Machtstrukturen die derzeitige Gesellschaft prägen.

Der Nachfolger „HiRUDin“ beschäftigt sich nun mit ihrer ganz eigenen, innerlichen Welt. Und die ist offenbar auch voll von tragischen Erlebnissen wie toxischen Beziehungen, Scham über die eigene Sexualität oder allgemeine Unsicherheit.

Stelmanis verpackt in „HiRUDin“ genau diese Kämpfe, aber vor allem zeichnen sich auch die Anfänge einer Regeneration der Sängerin mit klassischer Stimmausbildung ab.

Für frische, musikalische Impulse auf dem Album haben Austra außerdem ihre Komfortzone verlassen, fremde Leute in ihr Studio eingeladen und sich so komplett neu aufgestellt.

Und dass das Umkrempeln sich gelohnt hat, wird schon bei den ersten Tönen des Albums klar. Im Opener „Anywayz“ machen sich verspielte New-Wave-Gefilde breit, die gepaart mit Stelmanis hoher Stimme stellenweise an die poppige Synthie-Welt von Chvrches erinnern. Hier trifft das Keyboard eine Melodie, die sich schnell zu einem stimmigen Pop-Refrain auftürmt.

Wo „Future Politics“ noch weniger Temperament aufwies, gibt das Dreiergespann auf „HiRUDin“ umso mehr Gas. Auch das gefühlvolle „All I Wanted“ hält die Waage zwischen packenden Synthie-Pop und intimer Offenbarung, während Stelmanis Gesang von subtilen Streichern begleitet wird und die lettisch-kanadische Künstlerin über das Ende einer Beziehung singt:

„It doesn’t matter if you’re sorry now / ‚Cause I’m leaving tomorrow / You fucked it up“. Nur um dann später zerbrechlich zu wiederholen, dass sie sich nichts als Liebe gewünscht hat.

Diese höchst persönlichen Geschichten mit einem poppigen Synthie-Charme ausgeglichen zu kombinieren, ist wohl nur selten zu schaffen. Doch Austra schaffen es.

Schreibe einen Kommentar