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Damien Jurado (Credit Cary Norton)

Damien Jurado – What’s New, Tomboy?

Der Indie-Folk-Troubadour Damien Jurado bleibt seiner obsessiven Veröffentlichungspolitik treu und lässt auch sein 15. Album nur leicht köcheln, aber dafür nichts anbrennen.

Allein Jurados kompromisslose Arbeits- und Lebensweise trägt entscheidend dazu bei, dass „What’s New, Tomboy?“ sich erneut so intim wie beiläufig ausnimmt, wofür er sich auch im Privaten zu massiven Einschränkungen nötigt.

Er sei fast alles losgeworden, was er besaß. Beinahe so, als wäre er gestorben und jemand hätte posthum seine Wohnung ausräumen müssen. Er hat so getan, als ob, und diese schwierige Aufgabe seiner Verwandtschaft abgenommen.

Dabei gingen auch fünf seiner Gitarren als Spende an einen Second-Hand-Laden. Getreu dem Motto: Wird daraus noch ein Song, oder kann das weg?

Wäre er ein Schauspieler, man würde den Songwriter aus Seattle wohl als Method-Actor bezeichnen. Denn der Impuls der Entschlackung auf das Überlebensnotwendigste erstreckt sich maßgeblich auf seine Musik.

Den meisten Stücken reichen ein Gitarrenpicking und Jurados Stimme, die häufig klingt, als sei er zu nah am Mikrofon gesessen. In Songs wie „When You Were Few“ grundieren schüchterne Drumcomputer einen Bass und nicht minder schüchterne Synthesizer. Das hat etwas von der balladesken Seite der Eels.

Meistens läuft es aber wie in „Sandra“ darauf hinaus, dass lediglich ein kurzer Bläsereinsatz am Ende das kleine Extra gibt, das den somnambulen Gitarrenfolk flankiert. Er hätte absichtlich bestimmte Instrumente weggelassen, damit sie dem Zuhörer Raum geben, um seine eigenen Melodien und Parts einzufügen, so Jurado.

Tatsächlich reiht sich sein drittes Album in nur drei Jahren nahtlos an den Vorgänger. „The Horizon Just Laughed”, das erste dieser Triologie, war faszinierend in der üppigen Fülle des Leisetretens.

Der Nachfolger „In The Shape Of The Storm“ glich dann einer rigorosen Fastenzeit bei Sounds und Instrumenten, so reduziert gab sich Jurado vergangenes Jahr.

Man könnte jetzt den Fehler begehen und annehmen: Reduziert war schon der Vorgänger, redundant jetzt der Nachfolger. Doch so einfach ist es nicht. Die Songs auf „What’s New Tomboy?“ sind so leichtgewichtig wie Steppenläufer, die von kleinsten Böen angeschubst werden und dann so unaufdringlich vorbeiziehen, dass sie beinahe überhört werden.

Jurado tatsächlich zu überhören wäre im folkloristischen Indie-Zirkel aber auch 2020 noch immer fatal.

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