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Awolnation (Credit Better Noise Music)

Das Wechselspiel zwischen Freude und Leid – Awolnation im Interview

Von Ohnmacht und Fassungslosigkeit gepackt, stand Awolnation-Chef Aaron Bruno im November 2018 vor dem Scherbenhaufen seiner künstlerischen Existenz. Die alles niederbrennenden Woolsey-Feuer hatten Brunos komplettes Home-Studio zerstört. Statt sich aber von allen musikalischen Zukunftsträumen zu verabschieden und Trübsal zu blasen, konterte Aaron den zerstörerischen Angriff auf sein Musiker-Dasein mit dem intensiven Schreiben von Songs.

In den Wochen und Monaten nach der Katastrophe nahm Bruno Kontakt mit dem Innersten seines Ichs auf und beschäftigte sich intensiv mit Gefühlen wie Wut, Trauer, Liebe, Angst und Hoffnung. Zwei Jahre später entladen sich nun all diese Emotionen auf dem Studioalbum „Angel Miners And The Lightning Riders„. Wir trafen Aaron Bruno zum Interview und sprachen über Corona, das Wechselspiel von Licht und Schatten und die Erfüllung eines Traums.

MusikBlog: Aaron, bevor wir über dein neues Album reden… Geht’s dir und deiner Familie gut? Seid ihr alle gesund?

Aaron Bruno: Oh, Danke der Nachfrage. Ja, uns geht es allen gut. Verrückte Zeiten.

MusikBlog: Das kann man so sagen. Die Corona-Krise peinigt die ganze Welt. Wie erlebst du die Situation gerade?

Aaron Bruno: Ich bin daheim, 24 Stunden, so wie die meisten anderen Leute auch. Es ist schon eine sehr merkwürdige Zeit, in der wir in vielen Bereichen an unsere Grenzen stoßen und herausgefordert werden. Natürlich würde auch ich lieber etwas mehr Freizeit und Freiraum genießen. Aber es ist wichtig, dass so viele Menschen wie möglich an einem Strang ziehen. Und es gibt ja zuhause auch schöne Dinge, denen man sich intensiver widmen kann. Die Leute putzen, basteln und bauen. Und sie verbringen unheimlich viel Zeit mit ihren Liebsten. Das Ganze hat also nicht nur negative Seiten.

MusikBlog: Diese Balance zwischen Freud und Leid ist auch ein Eckpfeiler des neuen Awolnation-Studioalbums „Angel Miners And The Lightning Riders“.

Aaron Bruno: Ja, inhaltlich passt das in der Tat perfekt in die Zeit. Es ist doch so: Ganz egal, was gerade auf der Welt passiert, selbst wenn alles gut zu sein scheint, man ist doch permanent mit dem Wechsel von Gefühlslagen und Emotionen beschäftigt. Das ist jetzt so, das war in der Vergangenheit so, und das wird auch in Zukunft nicht anders sein.

Das Leben, jeder neue Abschnitt, eigentlich jeder neue Tag hält immer Überraschungen bereit. Wenn man heute das Gefühl hat, die Welt würde am Abgrund stehen, kann man morgen schon genau in die andere Richtung blicken. Genau darum geht es auf dem neuen Album, um das Wechselspiel zwischen Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Freud und Leid.

MusikBlog: Als du mit dem Schreiben der neuen Songs angefangen hast, befand sich dein künstlerisches Dasein im freien Fall. Die Woolsey-Feuer hatten dein komplettes Home-Studio zerstört. Wie schwer ist es dir in dieser Zeit gefallen, an all deinen musikalischen Plänen festzuhalten?

Aaron Bruno: Um ehrlich zu sein, die Situation hat mich nur zusätzlich motiviert. Ich bin einfach ein Typ, der seine besten Momente hat, wenn um ihn herum alles auseinander bricht. (lacht) Ich habe meine besten Songs geschrieben, wenn es mir privat am schlechtesten ging. So ticke ich irgendwie. Und bei diesen Songs war es nicht anders.

MusikBlog: Ihr wart damals zu der Zeit des Unglücks mit Twenty One Pilots auf Tour.

Aaron Bruno: Ja, das war eine ziemlich heftige Zeit. Wir waren damals in einem wahren Arena-Rausch. Überall waren die riesigen Hallen voll bis unter die Decke. Da gingen so viele Kindheitsträume für mich in Erfüllung. Und auf der anderen Seite war dann dieses plötzliche Nichts, die komplette Zerstörung, das blanke Chaos. Das muss man erstmal alles verarbeiten und einordnen. Aber wie gesagt: Ich bin ein Typ, der die Herausforderung braucht. Das stachelt mich an.

MusikBlog: Wie würdest du das neue Album, auch mit Blick auf den außergewöhnlichen Entstehungsprozesses, im Vergleich zum bisherigen Awolnation-Schaffen einordnen?

Aaron Bruno: Ich weiß, dass es immer etwas komisch klingt, wenn man vom bisher „besten Album“ redet. Ich meine, jedes Album markiert zum Zeitpunkt des Erscheinens das Optimum. Für mich sticht „Angel Miners And The Lightning Riders“ aber trotzdem etwas hervor. Für mich ist es unsere Greatest-Hits-Scheibe. Wir haben diesmal versucht, alle mit ins Boot zu nehmen. Wir wollten uns und unseren Fans etwas hinterlassen, das all das, was wir bisher gemacht haben, zusammenfasst.

MusikBlog: Geholfen haben euch dabei Rivers Cuomo (Weezer), Alex Ebert (Edward Sharpe And The Magnetic Zeros) und Alice Merton. Welche dieser Kollaborationen hat dich am meisten beeindruckt?

Aaron Bruno: Jede Zusammenarbeit hatte ihre eigene Note. Und jeder dieser Künstler ist auf seine Weise einzigartig. Alex und Rivers kenne ich schon länger. Ich bin schon, seit ich denken kann, riesiger Weezer-Fan. Die Art und Weise, wie Rivers das Songwriting angeht, hat mich schon immer angezogen und fasziniert. Da ging ein großer Traum für mich in Erfüllung.

MusikBlog: Alice Merton kennst du noch nicht ganz so lange. Was steckt hinter dieser Kollaboration?

Aaron Bruno: Hier geht es um den Umgang mit dem Hier und Jetzt. Das ist eine ganz verrückte und coole Sache, die zeigt, wie man in Zeiten der räumlichen Trennung Verbindungen herstellen kann. Wir haben diesen Song („The Best“) über zwei Kontinente hinweg aufgenommen.

Wir haben uns nicht persönlich getroffen, es gab keine Umarmungen und kein Abklatschen. Und dennoch waren wir ganz eng miteinander verbunden. Die Technik hat es möglich gemacht. Ich bin wahnsinnig stolz auf diese Zusammenarbeit. Sie ist etwas ganz Besonderes. Es ist ein positives Signal und ein Zeichen, dass wir uns die Möglichkeiten der Kommunikation nicht nehmen lassen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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