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DOTA (Credit Annika Weinthal)

DOTA – Kaléko

Ob Dorothea Kehr alias Dota die eigenen Wörter ausgegangen sind? Denn hinter ihrem neusten Album „Kaléko” versteckt sich weder ein cleverer Neologismus noch längst vergessenes Vokabular früherer Philosophen oder die neuste Hipster-Ernährungsform, sondern schlichtweg der Nachname der Dichterin Mascha Kaléko.

Textlich gibt es also auf „Kaléko” nichts Neues, sondern Altbekanntes, denn alle Songs sind vertonte Gedichte Kalékos. Wer das nicht weiß, dem würde das vermutlich nicht mal auffallen. Denn Dota ist unter anderem bekannt für ihre Lyrics, die aus dem Gefühlsleben überforderter GroßStädter berichten.

Was könnte also besser als Textvorlage dienen, als die Werke Kalékos. Denn auch für diese ist die Großstadtlyrik, in der die Dichterin gerne auf einen melancholischen bis ironischem Ton zurückgriff, charakteristisch. Kaléko und Dota dürften also zumindest theoretisch schon mal ein „Match made in Heaven” sein.

Auch praktisch geht die Rechnung auf, denn Dota schafft es, die Werke Kalékos mit Starbesetzung aus dem deutschen Singer/Songwritertum und vielschichtiger Instrumentierung in die Gegenwart zu katapultieren und die Dichterin so 45 Jahre nach ihrem Tod einmal mehr auf der kulturellen Landkarte des Hier und Jetzt zu verankern.

Von Hannes Wader und Konstantin Wecker bis zu Alin Coen oder Francesco Wilking von Die Höchste Eisenbahn versammelt sich alles mit Rang und Namen. Für jedes Gedicht hat Dota mit ihren Musikern das richtige Händchen, wie beispielsweise „Chansons von der Fremde”, das durch ungewöhnliche Harmonien und Akkordeon-Klängen tatsächlich in fremde Länder entführt.

Auch „Auf eine Leierkastenmelodie”, bei dem Hannes Wader als Gastmusiker mitwirkt, ist das perfekte Beispiel, klingt doch die Gitarre hier tatsächlich wie eine alte Drehorgel.

Einziger Wermutstropfen von „Kaléko” ist die Kürze der einzelnen Stücke. Die meisten pendeln sich bei knapp zwei Minuten ein, wodurch der Fokus natürlich verstärkt auf dem Text liegt, obwohl bei einigen Nummern auch deutlich mehr Raum für instrumentale Ausflüge gewesen wäre.

Dabei gibt es einige Songs auf „Kaléko”, denen genau das gelingt. Gerade mal sieben Zeilen braucht Kaléko in ihrem Gedicht „Für Chemjo zu Pessach 1944“, um ein Gefühl auf den Punkt zu bringen, über das andere ganze Bücher schreiben.

Demnach braucht auch Dota nicht mal eine Minute, um den Text begleitet von zurückhaltender Gitarre und Tastenklängen mit ihrer unaufgeregten Stimme zu vertonen.

Was danach folgt, sind fast zwei Minuten schönstes Blechbläser-Solo, dessen Melodiebögen und Phrasierungen denen Dotas in nichts nachstehen. Es wirkt wie ein Dialog zwischen den beiden Liebenden, der sich nach dem Gedicht ereignen könnte und geht so sogar einen Schritt weiter, als lediglich bloße Vertonung zu sein.

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