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Ellis (Credit Ebru Yildiz)

Ellis – Born Again

Ach, wäre doch nur 1998. Dann würde der DIY-Indie-Rock von Ellis auf fruchtbaren Boden fallen.

Ihr weinerliches Geschrammel wäre nicht anstrengend, sondern emanzipatorisch. Ihre besungenen Ängste wären kein Ton gewordenes First-World-Problem-Meme, über das man sich lustig machen kann, sondern ein Beweis, dass Cat Power eine unaufhaltsame Bewegung losgetreten habe und jede Menge Schwestern im Geiste hervorbringe.

Ellis, das ist die großgewachsene Linnea Siggelkow aus Hamilton in Ontario, Kanada. „Born Again“, das ist ihr Debütalbum, erschienen auf dem Indie-Label Fat Possum Records, wo unter anderem Adam Green veröffentlicht.

Produziert wurde „Born Again“ von Jake Aron in dessen Brooklyner Studio. Ein Produzent, der mit Snail Mail, Solange und Grizzly Bear wahrlich keine kleinen Fische poliert.

Ob Ellis in ähnliche Erfolgssphären aufsteigen kann, darf aber mit diesem Debüt mehr als bezweifelt werden. 30 Minuten introspektives Indie-Geschrammel, abwechselnd balladesk und eruptiv, werden dafür im Jahre 2020, noch dazu inmitten einer historischen Zäsur, nicht reichen.

Von all den zahlreichen Dingen, die in der westlichen Welt gerade kulturell untergehen, dürfte um sich selbst kreisende Seelentherapie in Form eines Indie-Albums einer Newcomerin, die klingt, als sei sie vor zwei Dekaden eingeschlafen und erst jetzt wieder aufgewacht, am allerwenigsten vermisst werden.

Mehr als sich Experten gerne eingestehen, muss Musik oft einfach zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein, um Erfolg zu finden. Ellis‘ Sound der spätpubertären Sinneszweifel braucht gerade niemand, nicht einmal spätpubertäre Sinneszweifler.

Damit hat Linnea Siggelkow vor allen Dingen erst mal Pech. Nur in zweiter Linie ist dies der mangelnden Substanz ihrer Musik zu schulden, normalerweise gäbe es dafür in der First World irgendwo schon eine problembehaftete Nische, die den Spott der Internet-Memes schon aushält.

Aber zurzeit? Keine Chance.

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