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Darkstar (Credit Cieron Magat)

Darkstar – Civic Jams

Ein Electronica-Album zu veröffentlichen, dessen erklärtes Ziel es ist, zu zeigen, dass das Persönliche politisch ist, klingt nach einem leicht überambitionierten bis geradezu größenwahnsinnigen Plan.

Ob so etwas trotzdem klappen kann? Ein Durchlauf von Darkstars neuester Platte „Civic Jams“ gibt Aufschluss.

Wenn Aiden Whalley und James Young aka Darkstar ihr viertes Album als Sozialkommentar verstehen, wirft das natürlich erst mal die Frage auf, was genau kommentiert werden soll. Hier kommt die Inspiration vor allem aus ihrer eigenen Szene – oder, wie sie selbst sagen: „[I]t’s about having the last warning on a tax bill and going to a rave“.

Die Jams dieses Albums sind also alles andere als civic. Die bürgerliche Mitte könnte bestimmt wenig mit dem Sound anfangen: Deutlich hört man die Einflüsse der genannten Raves, die vermutlich in einem dreckigen, dunklen Kellerloch stattfinden und die von Hardcore-Elementen gespickt sind, dazu mischt sich ein bisschen Shoegaze, ab und an meint man, Darkstar schielten in Richtung Witch-House.

Diese ungewöhnliche Mischung und der Eskapismus, der dieses Album prägt, macht es aber trotzdem nicht zu einer bloßen Spaß-Platte. Darkstar beobachten sich selbst und ihre Umgebung ganz genau und bauen aus diesen Wahrnehmungen Klanglandschaften, um zu vermitteln, was sie zu sagen haben.

Dabei geht es immer mehr um Stimmung als um tatsächliche Botschaften. So sind beispielsweise beim recht ruhigen Opener „Forest“ die Lyrics schwer auszumachen, die genaue Aussage dahinter deswegen auch. Klanglich eher Privatparty als Riesenrave, fließt der Track so vor sich hin, kann aber kaum dazu zu verleiten, sich die Ausgehschuhe anzuziehen und gegen das System zu tanzen.

Ein Song später sieht das Ganze schon anders aus: Über „Jam“, einen der Tracks, die vorab veröffentlicht wurden, sagten Darkstar ohne falsche Bescheidenheit: “We called it Jam cos it’s a Jam duh.” Wo sie Recht haben! Sich nicht mitzubewegen, ist hier fast unmöglich.

Die ersten beiden Lieder stecken schon ganz gut das Spannungsfeld ab, auf dem sich das gesamte Album bewegt. Es geht um Party versus Probleme, Alltag versus Abspacken, Beengung versus Befreiung.

Auch die folgenden sieben Tracks weichen von diesem Muster nicht ab, changieren zwischen Stimmungen – mal aggressiv dröhnend, mal beengend leise.

Um zu verstehen, dass die echte Welt (vor allem gerade jetzt) uns oft zu viel abverlangt, muss man kein Genie sein. Ob Realitätsflucht unbedingt beweist, dass Politisches und Privates Hand in Hand gehen, sollte man wohl selbst entscheiden.

Ein gelungenes Album ist „Civic Jams“ in jedem Fall.

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