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Khruangbin (Credit Tamsin Isaacs)

Khruangbin – Mordechai

Leider gilt nach wie vor für viele von uns: Urlaub is‘ gerade nicht. So ärgerlich es auch sein mag, dass es sich momentan als schwierig gestaltet, sorglos in der Weltgeschichte herum zu jetten, einen Lichtblick gibt’s trotzdem:

Khruangbin’s neues Album „Mordechai“, das uns zumindest auf eine Audio-Weltreise mitnimmt. Schon allein die Tatsache, dass sich Musikkritiker seit Jahren darüber streiten, was verdammt noch mal das genaue Genre dieser Band ist (neben Beschreibungen als Instrumental Rock, Soul, World Music und Psychedelia fallen auch Zuschreibungen zu Nischen wie Thai-Funk, von denen der Durchschnittsmensch bis dato vermutlich nicht mal wusste, dass diese überhaupt existieren), ist bezeichnend dafür, dass Khruangbin interessant genug sind, um Schubladendenkern die Köpfe zu sprengen.

Auch über die Einflüsse dieser Band wurde viel geschrieben: Surf-Rock aus Fernost, New-Wave aus Frankreich, iranischer Retro-Pop. Nichts davon ist falsch, aber Khruangbin sind mehr als die Summe ihrer Teile. Sie haben es immer wieder geschafft, verschiedene Dekaden und Kontinente miteinander zu verflechten und daraus etwas zu schaffen, das einmalig ist. „Mordechai“ bleibt dabei keine Ausnahme.

Trotz Einordnungs-Schwierigkeiten (oder vielleicht gerade deshalb) sind Khruangbin ein Phänomen: Bassistin Laura Lee, Gitarrist Mark Speer und Drummer/Keyboarder Donald „DJ“ Johnston konnten mit ihren bisherigen, überwiegend instrumentalen Alben „The Universe Smiles Upon You“ und „Con Todo El Mundo“ eine breite Fanbase gewinnen – die überraschenderweise nicht nur aus Menschen, besteht, die Weltmusik feiern, sondern auch Indie-Liebhaber anzieht.

Mit „Mordechai“ führen sie ihre kompromisslose Herangehensweise fort und legen noch eine Schippe drauf, wodurch sich ihre Anhängerzahl weiter vermehren dürfte. Denn einerseits zeigt es nochmals die ganze Bandbreite der Ausnahmemusiker:

Es vermischt verschiedenste Einflüsse aus allen Ecken der Welt zu einem groovigen, farbenfrohen Klang-Cocktail, der einen sofort in seinen Bann zieht und von dem man nicht genug bekommen kann. Dabei zeigt es das Können der Band, ohne dabei in irgendeiner Weise aufdringlich zu sein.

Es ist andererseits aber auch das zugänglichste Album, nicht nur, weil auf ihm viel mehr gesungen wird als auf den bisherigen Alben. Auch, weil es Emotionen herauskitzelt, welche der fließende Übergang vom trist-grauen Winter zur Corona-Trübseligkeit fast erstickt hätte.

Sehnsucht nach der Ferne ist nur eine davon. Vor allem aber weckt „Mordechai“ mit seinem hypnotischen Groove das Gefühl von sonniger Sorglosigkeit, Freiheit, Gemeinschaft.

Es geht wahrscheinlich noch eine Weile, bis wir wieder Jam-Sessions beiwohnen und uns zusammen auf Festivals in der Sommersonne an Livemusik erfreuen können. „Mordechai“ fängt aber genau diese Atmosphäre ein und bannt sie wahlweise auf Vinyl, Polycarbonat oder in den Stream vom Anbieter des Vertrauens.

Man muss sich vor Khruangbin verneigen, ihnen danken und feststellen: Balkonien klang noch nie so global.

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