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My Morning Jacket (Credit Danny Clinch)

My Morning Jacket – The Waterfall II

Vielleicht ist „The Waterfall II“ eines der ersten Alben, die uns die Corona-Pandemie beschert hat. Eigentlich lagen die Songs in der Schublade – Aufnahmen, die von den Sessions zum Vorgänger „The Waterfall“ von 2015 übrig geblieben waren, den Plan eines mehrteiligen Albums hatten My Morning Jacket eigentlich verworfen.

Während eines Spaziergangs zu Beginn der Corona-Isolation soll Frontmann Jim James beim Musikhören über das bisher unveröffentlichte „Spinning My Wheels“ gestolpert sein. „Finding a new day / a new way / to be here“ – die Lyrics klingen nach dem Neuanfang, den viele gerade so herbeisehnen.

Mit fünfjähriger Verspätung wird aus „The Waterfall“ nun also ein Doppelalbum, wobei es eben eher die gemeinsame Entstehungsgeschichte ist, die beide Werke verbindet, als ein inhaltliches Konzept.

Im direkten Vergleich klingt der erste Teil energiegeladener, bunter, voll verschiedener Stile und catchy Rock-Hooks. Ist „The Waterfall“ Nr. 1 die quirlige Schwester, ist Nr. 2 der ruhige Bruder, der es auch mal gemütlicher angehen lässt.

Beide kommen zweifelslos aus derselben Familie, beide zeichnen sich durch diesen handgemachten, gitarrenlastigen Rock-Sound aus, für den die Jungs aus Louisville/Kentucky bekannt sind.

Aber auf „The Waterfall II“ findet man selten ein treibendes Schlagzeug, weniger mitreißende Hooks, dafür mehr Psychedelic-Rock. Ein zurückgelehnter Rhythmus, Jim James‘ Gesang in den höchsten Höhen, ein betörendes E-Gitarrensolo – so klingen gleich mehrere Songs, wie „Still Thinkin“ oder das Schlussstück „The First Time“.

„Magic Bullet“ verführt über fünf Minuten hinweg mit einem immergleichen Grundmotiv. Es ist dieser rote Psychedelic-Faden, der das Album in sich schlüssig macht. Insofern klingt „The Waterfall II“ nicht wie ein Resteessen aus Songs, die nicht gut genug fürs erste Album waren.

Dazwischen ist dann aber doch die ein oder Nummer, die etwas vorwärts geht – und bei der man beim Hören unweigerlich die große Bühne vor Augen hat, so offensichtlich sind diese für die Live-Performance geschrieben.

Der Country-Song „Climbing the Ladder“ tritt zwischenzeitlich kurz auf die Bremse, nur um kurz später wieder auf die Tube zu drücken – bei diesem Song könnte man gar nicht stillstehen, würde er bei einem Konzert gespielt.

Dasselbe gilt für die Rock-Hymne „Wasted“, die in einer Zugabe nochmal besonders dick aufträgt. Das jedenfalls ist zurzeit noch ferne Zukunftsmusik. Die Wartezeit bis zum ersten Konzert überbrückt die Platte mit neuen alten Songs im typischen Sound der Band.

Fragt sich nur, warum die Jungs das Material so lange unter Verschluss hielten.

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