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Frank Turner (Credit Universal Music)

NOFX/Frank Turner – West Coast vs. Wessex

Herzlich willkommen zum heutigen Kampf im Intercontinental Heavyweight! Auf der linken Seite der amtierende Weltmeister von der Westküste der USA und der auf der rechten Seite der Herausforderer aus dem britischen Wessex – NOFX vs. Frank Turner. Let’s get ready to rumble for “West Coast vs. Wessex”!

Der Gong zur ersten Runde ertönt. Mit “Substitute” gehen NOFX gleich zum Angriff über. Aber Moment mal: ist “Substitute” nicht ein Song vom 2009er “Love Ire & Song” von Frank Turner?

Richtig, denn NOFX und Frank Turner battlen sich mit den Songs des anderen. Und die Punkrocker aus Los Angeles legen ordentlich vor und machen aus dem sonst folkigen Akustik-Song eine Punk-Hymne, die mit der guten alten NOFX-Offbeat-Attitüde daherkommt. Ein perfekter Opener für diesen Schlagabtausch zwischen USA und Großbritannien.

Auch “Worse Things Happen At Sea” und “Thatcher Fucked The Kids” reihen sich in diese perfekt ein und zeigen deutlich, dass Frank Turner ein begnadeter Songwriter ist, aber NOFX diese Songs auf eine andere Ebene zum glänzen bringen können.

Gerade “Thatcher Fucked The Kids”, der auf Turners “Campfire Punkrock” aus dem Jahr 2006 zu finden ist, strotzt vor positiven Momenten. Der schon sehr fröhlich wirkende Rhythmus, gepaart mit dem Saxophon im Hintergrund, versprüht so eine positive Energie, dass man sogleich rausgehen möchte, um durch die Straßen zu tanzen und mit wildfremden Menschen einen Moshpit zu starten.

In Runde 5 folgt einer der großen Momente im Kampf “West Coast vs. Wessex”. NOFX holen mit “Glory Hallelujah” zum großen Punch aus. Die Runde startet mit einer leichten Orgel und wird kurz danach vom Gesang Fat Mikes und leichter Bandbegleitung unterstützt.

Doch es wäre nicht der große Schlag von NOFX, wenn sie den Song “Glory Hallelujah”, der einer der Publikumslieblingen auf Frank Turner-Konzerten ist, nicht um 180 Grad umkrempeln würden. Und das geschieht auch.

Aus dem seichten, ruhigen und gefühlvollen “Glory Hallelujah” wird schlagartig ein schneller, punkiger und energischer Song, der den Puls schnell in die Höhe schießen lässt. Mit dieser Runde haben sich NOFX im Duell locker den Sieg verdient, doch Frank Turner holt nun zum Gegenschlag aus!

Und wie schafft er das am Besten? Klar – er fängt seine Runde mit “Scavenger Type” vom Allzeit-Liebling “Punk In Drublic” an. Und dass Frank Turner Punk kann, ist spätestens seit der Zeit mit seiner ersten Band Million Dead bekannt.

Schneller Beat, schrammelnde Gitarren und das so laute und wundervoll anzuhörende Organ von Frank Turner – “Scavenger Type” besticht durch seiner Vielseitigkeit und macht mit seinen 1:45 Länge Lust auf mehr.

Auf “West Coast vs. Wessex” wird deutlich, dass Frank Turner besonders gerne die NOFX-Alben “Punk In Drublic” und “So Long And Thanks For All The Shoes” gehört hat, denn von beiden LPs covert er jeweils zwei Song:

“Perfect Government” und “Falling in Love” glänzen durch ihre Klarheit. Keine verzerrten Gitarren, keine treibendes Schlagzeug – erst in der neuen akustischen Form erkennt man, wie gut die Songs von NOFX in Wirklichkeit sind und wie vielfältig und strukturiert Fat Mike, Eric Melvin, El Hefe und Erik Sandin ihre Songs komponieren.

Beste Beispiel dafür ist “Eat The Meek”, das in der neuen Version deutlich düsterer, emo-lastiger und im Gegensatz zu allen anderen Turner-Covern viel stärker instrumentiert wurde, als das NOFX-Original.

Es klingt ein bisschen wie eine Mischung aus The National und Editors. Doch sind es eben diese Ansätze, die “West Coast vs. Wessex” zu einem der Alben 2020 machen wird. 

Und nun zur Entscheidung der Ringrichter im Kampf um den Intercontinental Heavyweight-Titel: Unentschieden – ein ganz klares Unentschieden! Es gibt selten solche Alben, die beim ersten Hören schon so viel Spaß machen.

NOFX und Frank Turner sind bei “West Coast vs. Wessex” definitiv der ganz große Coup gelungen. Achso: Gab es da nicht noch einen Song? Richtig:

“Bob” von NOFX, gecovert von Frank Turner. Aber was soll man da sagen? Hört es euch lieber an und genießt es von vorne bis hinten!

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