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Seasick Steve (Credit C60ev AS)

Seasick Steve – Love And Peace

Seasick Steve vermengt auf seiner zehnten Platte die älteste Botschaft der Hippiekultur mit den ältesten Mitteln der Rockgeschichte. Unklar bleibt weiterhin, woher bei ihm die Seekrankheit rührt. Denn der knochentrockene Sound von Steve Gene Wold ist ganz sicher nicht zu nah am Wasser gebaut.

Vergangenes Jahr war er hierzulande mit seiner Platte „Can U Cook?“ im Vorprogramm von The Boss Hoss zu sehen. Und wer auch immer das zu verantworten hat, sollte bis ans Ende seiner Tage staubige Stiefel wienern müssen.

Der Publicity und vollen Hütten einerseits, steht nämlich ein Stempel auf der Stirn gegenüber, der sagt „Nicht ernst zu nehmen“. Und damit tut man Seasick Steve nicht erst seit „Can U Cook?“ unrecht, sondern vielmehr schon seit „Cheap“ aus 2004 –  seinem späten Debüt im Alter von 50 Jahren.

Mit den Ed-Hardy tragenden Kitsch-Cowboys, über deren Visagen man beim verunfallten Zappen durchs Privatfernsehen stets im Doppelpack stolpert – damit hat Wold so viel gemein wie RTL mit guter Unterhaltung.

Seasick Steve ist einer, der mehr Ölwechsel selbst gemacht hat, als coole Karren zu fahren. Er stellt die Tradition in den Vordergrund, nicht das Klischee. Nicht das party-seiernde Gehampel, sondern den Charakter des schwitzigen Roots-Rock.

Bezeichnend und bescheiden heißen die Songs dann schlicht, „Clock Is Running“ oder „Regular Man“ und grooven sich mit tieftönenden Blues-Gitarren durch klassische Boogie- und Americana Passagen. In „Carni Days“ hat das etwas vom Country-Blues eines Johnny Cash, in “My Woman” von entschleunigten Queens Of The Stone Age.

Gelernt hat Wold allerdings bei Lightnin‘ Hopkins, zu einer Zeit, als Josh Homme noch gar nicht geboren war. Schon 1969 tourte er mit der Blues- und Country-Legende durch kleine Clubs in Texas und Kalifornien.

Und so ist „Love & Peace“ vor allem ein aus der Zeit gefallenes Album, dessen Titel aktuell mehr wie der Vater des Wunschgedankens anmutet, als hippie-esque Lifestyle-Propaganda zu sein.

Und bevor einen deshalb doch die Seekrankheit befällt, sollte man auch weiterhin unbedingt Menschen anpöbeln, die bei H&M mal wieder billige Bandshirts der „Designer-Marke“ Guns N‘ Roses kaufen. Ironie off.

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