Viele Alben funktionieren ja so: Los geht es mit einem catchy Intro, das einen in die Platte hineinzieht. Diese entfaltet dann über ihre Laufzeit hinweg im besten Fall eine gewisse Entwicklung und bietet den ein oder anderen Höhepunkt.

Der letzte Song ist dann selten nochmal ein Endspurt, sondern eher sowas wie eine Cooldown-Phase: Wie, um dem Hörer sanft mitzuteilen, dass das nun die Zugabe ist.

Von dem Ende von „Breach“, dem neuen Album von Fenne Lily, wird man eher überrumpelt, nachdem die letzten Streichertöne verklungen sind.

Nicht, weil der letzte Track versäumt hätte, diesen Abschluss einzuläuten. Vielmehr taugt er als Cooldown-Song wenig, weil Lily zuvor einfach versäumt hat, auch mal aufs Gas zu treten.

Schon nach dem leisen und ähnlich introvertierten Debütalbum „On Hold“ von 2018 sagte die Engländerin im Musikblog-Interview:

„Das wird sich mit dem nächsten Album ändern.“ Nun, da der Nachfolger da ist, kann man sagen: Eine etwas deutlichere Neuerfindung ließ sich bei der Aussage schon vermuten.

Die Musik der 23-jährigen ist melancholisch-sanfter Akustik-Folk, der den genau richtigen Soundtrack bietet, um beim Herbstspaziergang die Gedanken schweifen zu lassen.

Der geflüsterte, fast gehauchte Gesang der Singer/Songwriterin erhebt sie auf ihrem zweiten Werk schon zu ihrem Markenzeichen – selbst, wenn sie sich mal gegen eine schrammige Gitarrenwand durchsetzen muss, wird sie deswegen nicht lauter.

Doch diese Momente sind rar. Neben dem rohen „Solipsism“ ist es etwa der Song „Alapathy“, der mit einem treibenden Rhythmus etwas Schwung in die Platte bringt.

In den restlichen Songs wird Lilys nachdenklicher, verträumter Gesang meist von einer leisen Gitarre begleitet, hier und da von dem ein oder anderen Streicher – was ja auch durchaus zu den melancholischen Lyrics von Fenne passt, in denen es ums Erwachsenwerden und den damit verbundenen Erfahrungen geht („I Used to Hate My Body But Now I Just Hate You“).

Doch, wenn der letzte Track gelaufen ist, dann sind da wenige Songs, die in Erinnerung bleiben. Dabei steht Fenne Lily der Indie-Pop, wie er hier und da hervorkommt, durchaus gut.

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