Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages
Haiku Hands (Credit Dan Fairman)

Haiku Hands – Haiku Hands

In Clubs sollte nie das Licht angehen. Wer eine Bar oder eine Diskothek im Tageslicht gesehen hat, weiß warum: Der ranzige Charme, die gelebte Leichtigkeit und die magische Atmosphäre sind wie weggewischt und die Läden kaum wiederzuerkennen.

Umso trauriger, dass derzeit in den meisten Clubs die gewollt spärliche Beleuchtung ganz ausgeschaltet bleibt. Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum helfen Haiku Hands zwar nicht den krisengebeutelten Clubs, aber schaffen immerhin Abhilfe für alle Menschen, die sich endlich nochmal mit den frisch gebohnerten Tanzschuhen den Frust des Alltags von der Seele schütteln wollen.

Das machen sie gleich mit dem ravigen Opener „Not About You“ klar. Harte Beats treffen auf provozierenden Sprechgesang, mit dem Haiku Hands spätestens bei dem langgezogenen „a“ bei der Zeile „I’m gonna kick your arse“ ihre australische Herkunft nicht verschleiern können.

Die meisten Songs auf dem Debüt des Trios kommen mit solcher aufdringlichen Extrovertiertheit daher, dass man sich erst daran gewöhnen muss. Bei dieser Art von Auftreten verwundert es nicht, dass Haiku Hands auf ihrem Debüt mit allerhand geschlechterspezifischen Klischees aufräumen.

Bei „Manbitch“ spricht der Titel für sich selbst, während das verzerrte Saxophon an ungewollte Sommerhits wie „Infinity“ von Guru Josh 1990 erinnert, die ansonsten zum Glück kollektiv vergessen worden sind.

„Fashion Model Art“ erinnert mit einem Augenzwinkern an eine Zeit, in der man Madonna mit „Vogue“ noch als Künstlerin ernst nehmen konnte und nicht nur wegen hanebüchener Schlagzeilen belächelte.

„Jupiter“ ist einer der wenigen Songs, die mehr Indie-Pop als Dance-Kracher sind und mit leichtem Achtziger-Beat erfolgreich über die verkünstelte Aussprache Zwecks passender Phrasierung des besagten Planeten hinwegtäuscht, während das pointierte „One two three / One two three“ den Hut Richtung Sias „Chandelier“ schwenkt.

„Car Crash“ ist der einzige Ruhepol auf „Haiku Hands“. Aber selbst da können die drei Australierinnen nicht auf den gewissen Mittelfinger-Charme verzichten und verleihen ihren Affektionen statt mit Liebesduseleien lieber mit Zeilen wie: „You’re such a beautiful car crash, baby / I can’t turn away (…) You’re fucking awesome“ Ausdruck.

Auch wenn die überzogene Direktheit von Haiku Hands auf Albumlänge anstrengend werden kann: Bitte mehr davon, denn es kann nie genug Frauen geben, die in der Musikindustrie ordentlich auf den Putz hauen.

Schreibe einen Kommentar