Die Gute-Laune-Kanadier Arkells sind wieder da. Mit Preisen überhäuft sind die fünf Musiker ein Garant für eingängige Poprocksongs und tolle Liveshows. Der charismatische Frontmann Max Kerman bezeichnet den Zweck der Arkells nicht umsonst, als „Band für alle“ da zu sein.

Das trifft auch auf das neue Album „Between Us“ zu, das der guten Laune mit Songs wie „Next Summer“, „What Good“ und Kollaborationen mit unter anderem Portugal. The Man und Poolside keinen Abbruch tut.

Die schmissige Popnummer „Next Summer“ blickt als Opener hoffnungsvoll in die Zukunft und melancholisch auf vergangene Zeiten, bietet einen auf gefüllte Stadien zugeschnittenen Chorus und lässt in seiner Ausführung an The Killers denken.

Diesem Rezept hat sich auch das darauf folgende „What Good“ verschrieben, das bläsergestützt, hüftwackelnd das Geld unters Volk bringt.

Gemeinsam mit Grouplove hat man sich zu „Ride“ zusammengefunden. Das Piano haut in die Tasten, fiebrig wartet der Synthie auf den losgelösten Spannungsbogen. Der schießt dann aber knapp am Ziel vorbei, weil man Coldplay-typische, hymnische, aber ziellose Synthies vor den Refrain pflanzt.

Glücklicherweise können die Gäste mit kanonartigem Chorusgesang die Eingängigkeit noch aus der Recyclingtonne kramen, so dass „Ride“ doch noch der lockerlosgelöste Poptitel wird, den man sich erhofft hat.

Mit Portugal. The Man widmen sich die Arkells dem lieben Geld, brüten über moogenden Synthies, die derart von den Talking Heads geklaut klingen, dass man beim ersten Einsatz von Kerman automatisch David Byrne im Ohr hat. Kurzzeitig. Ein seelenloser Refrain bezirzt euch, das vorhandene Kleingeld auszugeben, während sich der eingeladene Musiker zumindest für eine Strophe in sozialkritischen Untertönen übt.

Danach wird es europäisch, was für die Kanadier scheinbar immer noch ein Ding ist. „Imagine Barcelona“ ist eine verliebte Hymne auf Pärchenurlaub und die Cafeszene Barcelonas, die zumindest an den Tagen, an denen keine Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen, noch brauchbar ist. Der Refrain streichelt das Gehör wie Barcelonas Sonne, die irisch auffiedelnden Geigen haben zwar wenig mit Spanien zu tun, aber Dublin ist jetzt auch nicht so der Favorit für Pärchenurlaub (außer man mag Guiness, mit dem erträgt man auch die Touristenmassen besser).

Dann fährt das Tempo runter, das Licht wird gedimmt und der Spot geht aufs Klavier – schwenkt über zum Mikro und fertig ist die Pianoballade „Desires Got Some Questions“. Hier überrascht die stimmliche Wandlung Kermans, wenn schon nichts anderes überraschend ist.

Also müssen höhere Mächte herhalten, wenn man das „Universe Talking“ beschwört und die Bluesgitarren auspackt, mit reduziertem Tempo die Popgötter beschwört, und doch etwas lost ist in der Ausrichtung des Tracks.

Also mit „Two Hearts“ das Tempo wieder rauf. Akkorde und Drums laufen lassen und auf Kermans eingängiges Organ setzen. Klappt bis zum Refrain, der schneller vorbei ist, als man ihn hat kommen hören. Schade. Was ist denn aus diesen mitreißenden Pophymnen-Refrains geworden, die noch nachts im Bett liegend wach halten?  Nein, die Arkells pflastern die von Imagine Dragons schon ausgelatschten Pfade neu und lassen vermuten, dass wohl gerade der Refrain zu hören war, weil man das Tempo ein wenig angezogen hat.

Also ab in die Clubs mit der Poolside-Kollaboration. „What´s On Your Mind“ funktioniert tatsächlich gut. Am Pool sitzend, drei Cocktails tief, mit Sonnenbrand im Gesicht und Flipflops an den Füßen. Der locker beschwingte Titel lädt auf sanftes Bewegen ein, mit einem Cocktailglas in der Hand und der Vorliebe für lockerleichte Housekost im Ohr.

Das Bewegen behält „Rumours“ bei, schwingt sich aber zurück in aktuelle Popgefilde, mit einem Basslauf der für Erregung in der Körpermitte sorgt. Vorher noch beklagt, kehrt auch der Achtziger-Pop-Refrain mit Kniefall zurück, denn Kerman weiß, wie man Kehlen zum Mitsingen zwingt. Eingängig bohrt sich der Song mit zunehmender Spieldauer und Spielfreude weiter ins Gehör.

So braucht es danach auch keine „Escape Door“ mehr, denn das 11. Album der Arkells ist – auch dank der abschließenden Synthiepianoballade – eine runde Sache.

Charts-ausgerichtet, mit stimmigen Kollaborationen werden die Arkells weiterhin kanadische Musikpreise einheimsen und gute Laune in gefüllten Stadien verbreiten. Gut so.

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