Möglicherweise hat Isaac Brock, Frontmann von Modest Mouse, irgendwann festgestellt, dass er „The Golden Casket“ (2021) nicht so stehen lassen kann. Zwar hatte diese Ausgabe mit Beiträgen wie „Back To The Middle“ ihre Highlights, aber an den Nachhall von dem, was über die Jahre so verlässlich wie beeindruckend das Modest-Mouse-Klanglabor verließ, kam keiner der dort enthaltenen Tondokumente heran.
Die 12 neuen Tracks von „An Eraser And The Maze“ müssen weder vor Referenznummern der großen Werke „The Moon And Antarctica“ (2000), „Good News For People Who Love Bad News“ (2004) verstecken, noch vor denen von „Strangers To Ourselves“, mit dem sich die Spielgemeinschaft um Gravitationszentrum Brock 2015 zurückmeldete.
Dabei reibt sich Opener „Picking Dragons` Pockets“ zwar eingangs noch verschlafen die Augen, aber spätestens, wenn der Wecker nach einer halben Minute mit einer instrumentalen Breitseite klingelt, hat der Song mit repetitiven Motiven die Musik-Geister abseits des Mainstream geweckt.
Im Anschluss folgt Kontrastprogramm, nimmt „Remember Yourself“ entspannt Anlauf für „Life`s A Dream“, das mit in den Himmel wachsendem Saitenspiel, wummerndem Bass und der erschütternden Wucht des Schlagzeugs mit den Zutaten für den ganz großen Wurf unterwegs ist.
Der Rest klingt dann wie ein Alternative-Musik-Werbefilm, spätestens wenn „Third Side Of The Moon“ mit dem ganz großen Indie-Besteck an Bord zur Erdtrabantenexpedition aufbricht, dürfte nicht nur Modest-Mouse-Puristen ein wohliger Schauer über den Rücken laufen.
„Dogbed In Heaven/Give It A Skeleton“ holpert mit einem raunenden Chor im Chrash Test Dummies Timbre über den Salon-Boden, die „Rotten Fruit (feat. Justin Raisen)“ gammelt im synthetischen Frickelnetz vor sich hin, ein Ohrwurm-Riff weist „Speak `N Spell (Or Not)“ den Weg.
Sphärisch flackert „I Can`t Talk Right Now“ zwischen den Synthies, bevor das Stück in einem Shoegaze-Schub eskaliert, kreiert die „Stoner Party“ Industrial-Folk, überdreht „Look How Far“ in einem Noise-Exzess, wo das abschließende „Impossible Somedays“ mit griffigem Pop-Appeal unterwegs ist.
Garagen-Sound, Hymnen, Dissonanzen, schräge Harmonien und hakende Melodien sind das Konglomerat, aus dem Modest Mouse neue Maßstäbe für Kommendes definieren.
