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Lido (Credit Michael Drummond)

Lido – Peder

Da ist ordentlich was los: Auf „Peder“, dem zweiten Album des norwegischen Musikers Lido, funkelt und schillert es, Störgeräusche mischen sich mit Echoeffekten, gefühlt passieren in jeder Sekunde hundert Sachen auf einmal.

Was erstmal nach einem sehr spannenden Konzept klingt, bringt einen schnell an die Grenzen der Aufmerksamkeitsspanne.

Über das neue Album sagte Peder Losnegård, so Lido bürgerlich, dass er darauf „eine Million Dinge zugleich“ versuche. Klingt vor allem für ihn echt anstrengend, für die Hörerschaft ist es das zuweilen aber auch.

Geschuldet ist das der breiten Palette an Soundeffekten, Instrumenten, Autotune und Hintergrundsänger*innen, die ziemlich überfordernd sein kann.

Vielleicht liegt dieses Aufgebot daran, dass Losnegård sich – trotz einigem Output als Solomusiker unter dem Alias Lido – bislang vor allem als Produzent einen Namen gemacht hat.

Die Liste seiner bisherigen Kollaborateure ist lang, divers und beeindruckend: Halseys Debütalbum hat er produziert, für Chance The Rapper gearbeitet, ein Kids-See-Ghosts-Album gemasht. Da will man natürlich auch bei der eigenen Platte zeigen, was man drauf hat.

Neben seiner Arbeit in Pop- und Hip-Hop-Sphären war Lido aber auch privat immer musikalisch vielseitig interessiert, hat in seiner Kindheit Gospel und Soul geliebt. Verständlich, dass er da das Bedürfnis hat, all das auch irgendwo unterzubringen.

Die Liebe zu verschiedenen Musikrichtungen hört man auf „Peder“ deutlich heraus, was es auch schwierig macht, die LP eindeutig einem bestimmten Genre zuzuordnen.

Dabei ist natürlich alles sehr elektro-lastig, aber Tracks wie „Please Fasten Your Seatbelt“ haben einen eindeutigen R&B-Einschlag, andere Titel wirken experimenteller.

So etwa „Part Time“, wo das instrumentale Intro mehr als die Hälfte des Songs füllt, oder das kurze „5 Songs (Interlude)“, wo Frauengesang durch Störsignale unterbrochen wird.

Dennoch hätte es dem Album gut getan, auch ab und an mal einen Gang zurückzuschalten. Die Flut an verschiedenen Einflüssen und Sounds, für die Lido tief in die Trickkiste greift, lässt einen schnell abschalten, weil sich das Ganze irgendwann nach Effekthascherei anfühlt – zumal das alles dann doch in einen sehr glatten, kommerziellen Klang gepackt wird.

Das macht es schwer, die Intention oder Emotionen der Platte wirklich nachzuvollziehen. Die manchmal ziemlich affektiert wirkende Coolness von Losnegård ist in dieser Hinsicht ebenfalls nicht wirklich hilfreich.

Das kann man nur bedauern, denn seine Stimme hätte deutlich mehr Potenzial, würde sie nicht immer so gewollt desinteressiert klingen.

Sich zurückzunehmen, ist eine Kunst – eine, die Lido noch nicht so ganz gemeistert hat. Möglichst viel von dem zu zeigen, was er als Sänger, Songwriter, Produzent und Multi-Instrumentalist drauf hat, ist natürlich ein löbliches Ziel, trotzdem überzeugt „Peder“ nicht vollständig.

Heraus kommt ein Album, das man zwar im Hintergrund laufen lassen kann, um sich ab und zu von (für poppige Gefilde) unkonventionellen Sounds überraschen zu lassen, ins Herz geht die Platte aber nicht.

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