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Sophie Hunger (Credit Jérôme Witz)

Sophie Hunger – Halluzinationen

Das schiere Aufnehmen eines neuen Albums reicht Sophie Hunger als Herausforderung offensichtlich nicht. Für „Halluzinationen“ hat sich die Schweizerin mit Produzent Dan Carey, der sie bereits bei Vorgänger „Molecules“ unterstützt hat, zwei Tage in den legendären Abbey Road Studios in London eingemietet und die vorher in ihrer Küche ausgetüftelten Songs in Live-Takes aufgenommen.

Diese unvermittelte Direktheit hört man „Halluzinationen“ in all‘ seinen verschiedenen Facetten an. Denn man ist es von Sophie Hunger längst gewöhnt, dass sich die Wahl-Berlinerin weder auf ein Genre, noch auf eine Sprache festlegen will und so gibt es auch auf „Halluzinationen“ das Beste aus allen Welten zu hören.

Der Opener „Liquid Air“ klingt mit seinen unerwarteten Harmoniewegen, als wäre Hunger eine musikalische Liason mit Radiohead-Frontmann Thom Yorke eingegangen. Doch das ist keinesfalls der einzige Song, der Erinnerungen an den Briten weckt.

Auch in „Bad Medication“ perfektioniert Hunger das Schattenspiel zwischen Licht und Dunkel, unterlegt von einem subtilen Beat, der das filigrane Klavier-Riff aus der Zeit des Barock in die Gegenwart pulsiert, auf eine Art und Weise, die den Wenigsten so schaurig-schön gelingt.

Mit „Alpha Venom“ tritt Hunger aufs Gas und manifestiert ihren Platz auf der Überholspur, den sie im Laufe ihrer Karriere sowieso schon einbetoniert hatte. „Don’t forget who makes the music“ fordert Hunger zu treibendem Krautrock, der sich sanft mit dem Klavier verbindet, um zum Finale zu instrumentalem Off-Beat klarzustellen: „I’m the one who makes the music“.

„Everything Is Good“ klingt dazu im Kontrast fast wie ein schlechter Scherz. Gewollt blecherne Samples treffen auf einen eingängigen Refrain und simple Lyrics. Aber ein bisschen Spielfreude abseits des Ernsts und Schwermuts darf man Hunger eben auch zugestehen.

Besonders, wenn darauf Songs wie „Maria Magdalena“ und der wunderschöne Closer „Stranger“ folgen. Nur begleitet von einer gespenstischen Klaviermelodie, die die Melancholie durch jazzig angehauchte Akkorde aufhellt, verzaubert Hunger mit ihrer zerbrechlichen und doch kraftvollen Stimme.

Und so interessant und spannend all‘ die Spielereien und Ausflüge in die verschiedensten Genres auf „Halluzinationen“ sind, berühren am Ende des Tages doch die vermeintlich simpelsten Songs am meisten.

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