Der Singer/Songwriter Keaton Henson ist ein Musiker der ganz besonderen Art. Geboren und aufgewachsen in London, machte er sich im Alter von 22 Jahren einen Namen in der britischen Folk-Szene.

Jedes Jahr veröffentlichte der Brite ein neues Album, arbeitete zusammen mit Produzenten wie Joe Chiccarelli (Spoon, The Strokes oder Cage The Elephant), und spielte ein paar Konzerte.

2016 erschien bis dato sein letztes Album “Kindly Now” – ein rätselhaftes und kryptisches Album, welches sein Abschied für eine längere Zeit sein sollte: “My wounds are open to see / But don’t take them seriously / I’ll be fine”.

Henson packte seine Gitarre ein und zog sich für die nächste drei Jahre in seinem Haus zurück um neue Musik zu komponieren – aber nicht für sich. Er wollte nicht mehr im Mittelpunkt stehen, sondern seine Kompositionen durch andere Musiker in die Welt verbreiten.

So entstand 2019 “Six Lethargies”, eine komplexe Symphonie, die ausschließlich vom Royal Liverpool Philharmonic Orchestra aufgenommen und live performt wurde. Keaton Henson war in seinem Element und ohne das, was ihn seit seiner Kindheit begleitet: Lampenfieber.

Nach den Aufnahmen und der Produktion für “Six Lethargies” zog sich Henson erneut aus der Hektik Londons in die englische Wildnis zurück, verbrachte die Tage in Wälder, beobachtete Vögel und ließ das Leben entspannt dahingleiten.

Von dieser Abgeschiedenheit aus fühlte er sich endlich dazu bereit, sich mit einem Thema zu befassen, welches er während seiner gesamten Karriere als Songwriter vermieden hatte: die schwere Krankheit seines Vaters und dessen bevorstehender Tod. Henson fing wieder an Songs zu schreiben, um mit dieser Angst zurecht zu kommen. Es entstanden 11 neue Songs, doch zwei Tage vor den Aufnahmen verstarb sein Vater.

Vielleicht ist dies der Grund, warum “Monument” ein Album der ganz besonderen Art ist. Es ist ein Album über Rückschläge und den Umgang mit dem Verlust derer, die wir lieben – aber all das in einer unglaublich offenen Sichtweise auf das Leben, das Trauma, dem Trauern, über Liebe, dem Älter werden und der Genesung.

Schon im Opener “Ambulance” fühlt man den ganzen Schmerz, den Henson während der ganzen Produktion in sich trug: “I know how lonely / I’ll be / I’ll cry for help when i need”. Getragen von der Stimme Hensons und seiner Gitarre lebt “Parade” von den Emotionen, die er die letzten Monate erlebt hat.

Die Aufnahmen von “Monument” beschrieb Keaton Henson so: “I suppose it is, at its heart, much like my first record; a collection of things I wanted to say, just so they’re out of my system, and not necessarily for anyone else to hear. […] I was somewhat unexpectedly joined by an amazing group of people, who came to musically lift me on their shoulders, and take these unsaid feelings to another plain in terms of sound.”.

Die Menschen, die Keaton aushalfen und ihm mental zur Seite standen , sind Radiohead-Schlagzeuger Philip Selway, Gitarrist Leo Abrahams und die britische Komponistin Charlotte Harding.

Das Zusammentreffen dieser grandiosen Musiker gipfelte in einer Platte, die gleichzeitig sehr intim und verletzlich ist, aber einem dennoch Vertrauen vermittelt.

“Self Portrait”, “Career Day” oder “The Grand Old Reason” erstrecken sich so enorm in die Gefühlswelt Hensons, der teilweise wie Conor Oberst in seinen frühen melancholischen Zeiten klingt.

In “Career Day” singt er davon, dass es ein gemeinsames Konzept und Illusion gibt, welches hauptsächlich nur in den eigenen Köpfen existiert, aber dennoch die Welt um einen verändern kann. Mit “I’m paper thin / Just break me in” endet dieser Song und macht den Schmerz dennoch deutlich.

“Ontario”, die zweite Singleauskopplung des aktuellen Longplayers, treibt all diese Gefühle weiter. Die einfache Nahaufnahme der Gitarre, der leise Gesang Hensons und die elektronische Sampler und Lo-Fi-Tape-Sounds vermitteln eine ruhiger Atmosphäre, die an eine Winterlandschaft erinnert, die sich aber dennoch warm anfühlt.

Der Sound, welcher einen an alte Aufnahmegeräte oder VHS-Kassetten erinnern lässt, ist ein entscheidendes Stilelement auf “Monument”. Es vermittelt dem Zuhörer ein Gefühl von Nostalgie, Familie und Kindheit.

Die subtile wiederkehrende Verwendung des Heimvideo-Sounds erweckt die biografische Natur von “Monument” und lässt einen intensiver auf die Texte hören. Keaton Henson ist ein sehr gutes Album gelungen – welches aber in erster Linie für ihn selbst und seine Bewältigung von Trauer und Schmerz wichtig ist.

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