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Metz (Credit Norman Wong)

Metz – Atlas Vending

Wer bei dem Musiklabel Sub Pop unter Vertrag genommen wird, muss ein schweres Erbe annehmen. Nirvana, Pearl Jam, The Shins, Soundgarden und Band of Horses sind nur ein paar der unzähligen Bands, die die Messlatte bei dem Label aus Seattle im Laufe der Jahre nach oben gesetzt haben.

Doch über die Zeiten hinweg gibt es da immer diese Bands, die an die glorreichen alten Zeiten anknüpfen und sich in den Fokus spielen. Father John Misty, Moaning, Orville Peck und King Tuff sind nur einige dieser Vertreter. Ein weiterer ist METZ, eine Band aus Toronto, Kanada, die seit 2012 die Underground-Musikszene in Nordamerika auf den Kopf stellt.

Mit “METZ” erschien 2012 das Debütalbum der Band und katapultierte das Trio, bestehend aus Alex Edkins, Hayden Menzies und Chris Slorach, auf Anhieb in den Fokus der Noise Rock- und Hardcore Punk-Fans.

Kein Wunder, denn METZ knüpften auf Anhieb gekonnt an den Sound der alten Sub Pop-Ikonen wie Nirvana oder TAD an – nur eben härter, lauter und pulsierender.

Heute – auf den Tag genau acht Jahre nach ihrem Debütalbum – erscheint mit “Atlas Vending” ihr mittlerweile viertes Studioalbum. Im Vergleich zu den Vorgängern “METZ” (2012), “II” (2015) und “Strange Peace” (2017) hat sich musikalisch nicht viel verändert, doch es gibt einen großen Unterschied:

Lag der Fokus bisher auf laute, treibende und energiegeladene Klangwelten, liegt er jetzt auf laute, treibende und energiegeladene Klangwelten mit ernsten Texten! Mit scheinbar unvereinbaren Themen im Hinblick auf aktuelle Zustände und Dringlichkeiten, klingen METZ ernster und robuster als zuvor und scheinen einen Soundtrack für die nächsten Jahre politischer Eskalation und menschlicher Probleme zu gestalten.

“Wenn wir Glück haben, dann ist einer Veränderung unvermeidlich. [..] Wir waren immer vorsichtig, die Musik, die wir lieben, nicht zu überdenken oder zu intellektualisieren, aber auch nicht zufrieden zu sein, bis wir etwas erreicht haben, das uns vorantreibt.”, so Gitarrist und Sänger Alex Edkins.

Schon der Opener “Pulse” macht deutlich, was METZ vorantreibt – reduktionistische Spannung! Die durchweg hämmernde Kickdrum, einen Verse, der kaum mehr als einen einsamen und übereinstimmenden Akkord bietet und der gelegentliche Bass, der sich mit einmischt – METZ scheinen sich von Anfang an erstmal auf eine “nervende” Interaktion mit dem Hörer zu versteifen.

Doch “nervend” ist alles andere als abwertend gemeint. METZ sind die Meister der harmonischen Disharmonie und verstehen es, aus dem noch so verschrammelten Sound eine Euphorie hervorzurufen.

Nahtlos geht es in “Blind Youth Industrial Park” über, das genau wie “Pulse” aus paranoider Dissonanz und Gewalt aus METZ’s Musikinstrumenten besteht. Der gnadenlos absteigende Gitarrenriff Edkins und die Vollgas-Attitüde von Schlagzeuger Hayden Menzies erzeugen eine solche Energie, dass man meinen könnte, METZ zerstören bei jedem Song ihre Instrumente.

Einen weiteren großen Schritt machen METZ mit “No Ceiling” – eineinhalb Minuten wütende Gitarren und Drums, gepaart mit einer Pop-Hook, die poppiger klingt als alles was das Trio je gemacht hat.

Obwohl es gespickt mit verzerrten Sounds ist, bietet diese kleine Hymne über die Entdeckung von Liebe und Zweck einen seltenen Kontrastpunkt zu den sonst so schweren Songs der Band.

Doch an Nachgeben denken Alex Edkins, Hayden Menzies und Chris Slorach nicht. So schön “No Ceiling” als Bruch auf “Atlas Vending” funktioniert, es liegt nicht in der Natur von METZ, die dann in “Hail Taxi” wieder mit brutalen Versen und betörenden Refrains über Liebe und Romantik daher preschen.

Musikalisch lässt sich “Atlas Vending” aber doch nicht durchgängig an seinen Vorgängern festmachen. So klingen “Sugar Pill”, “Framed by the Comet’s Tail” und “Parasite” zwar neuer und merkbar frischer, aber dieser typische METZ-Sound, den die Fans seit Jahren lieben, bleibt erhalten.

Bestes Beispiel dafür ist “A Boat To Drown In”, ein 7:34 langes shoe-gaziges Epos, das in seinen einzelnen Elementen kaum Variationen beinhaltet, aber trotzdem nie langweilig wird.

Typisch METZ: den Riff solange wiederholen, bis er nicht mehr auszuhalten ist. Nach knapp dreieinhalb Minuten schweift der Hauptteil des Songs mit den Worten “crashed through the pearly gates and opened up my eyes, I can see it now” in ein schier endlos wirkendes Outro, welches noch einmal die geballte Energie von “Atlas Vending” bündelt.

Wenn die derzeitige Mission der Kanadier darin besteht, die unvermeidlichen Kämpfe des Erwachsenenalters widerzuspiegeln, dann ist es ihnen mit der Mischung aus hymnischen melodischen Texten und dem knallharten, trockenen Sound gelungen.

Während die älteren Alben stets von einer aggressiven Unnachgiebigkeit geprägt waren, liefern METZ mit “Atlas Vending” ein geduldiges, ehrliches Album und die dynamischste und überzeugendste Arbeit ihrer Karriere ab.

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