Lambchop – TRIP

Lambchop covern sich aus der Sackgasse, in die sie ihr ambivalentes Vocoder-Album „This (Is What I Wanted To Tell You)“ vergangenes Jahr getrieben hatte.

Ein sechs Songs starker „TRIP“, den Lambchop-Chef Kurt Wagner wieder zurück in die Komfortzone und doch zu neuen Dimensionen schickt, basiert auf der denkbar genossenschaftlichsten Idee, die innerhalb einer Band möglich scheint:

Je ein Bandmitglied wählte jeweils einen Song aus, der gecovert werden sollte und leitete dann die entsprechende Aufnahmesession dazu. Das ist insofern erstaunlich, als dass Wagner normalerweise allein für Text und Musik verantwortlich ist. Hier wollte er sehen, was passiert, wenn er sich soweit wie möglich aus dem Prozess raushält.

Dass dabei eine disparate Platte entstehen würde, bedarf keiner Hellseherei. Allein die unwahrscheinliche Auswahl der Künstler belegt die Vielfalt und ist maßgeblich für den Reiz an „Trip“ verantwortlich.

Von Wilco über Earl Montgomery, bis zu Stevie Wonder und Yo La Tengo paaren sich Indie, Country, Pop und Progressive, im souligen Piano-Folk von Lambchop.

„Reservation“ war 2002 in der Originalfassung von Jeff Tweedys Band Wilco bereits über sieben Minuten lang. Wagner & Co. strecken den Song mit Gediegenheit, minimalistischem Jazz und New-Age-Sounds gar auf doppelte Länge.

Und nach den 13 Minuten ist klar, dass sie dabei auf explizite Experimente à la „This (Is What I Wanted To Tell You)“ verzichten und den Fortschritt stattdessen wieder mit kleinen Details integrieren, wie im Stevie-Wonder-Cover „Golden Lady“, das dem Original mit seinen gekitzelten E-Drums und der smoothen Soul-Bandbreite einen völlig neuen Anstrich verpasst und kaum Gemeinsamkeiten erkennen lässt.

Der moll-lastige Spätherbst schimmert hier in Pastellfarben und strahlt am schönsten im finalen „Weather Blues“, das ursprünglich aus der Feder von Yo-La-Tengo-Bassist James McNew stammt und bisher unveröffentlicht war.

Vielleicht haben Lambchop, und vor allem Kurt Wagner, diesen Perspektiv-Wechsel gebraucht, um wieder zurück in ihre Spur zu finden. Im Zweifel stehen sie schließlich Wilco näher als den Vocodern von Bon Iver.

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