Pole – Fading

Im Detail steckt auch bei dieser Kopfkino-Electro-Arbeit von Stefan Betke, besser bekannt als Pole, der Teufel, beziehungsweise der Mehrwert.

Da wäre zunächst einmal das wundersame Cover: “Während eines superschweren Gewitters ging mein Fernseher kaputt und ich konnte zehn Minuten lang nichts sehen”, erzählt der Techno-Veteran, der inzwischen in seinen Fünfzigern angekommen ist.

“Als sich der Bildschirm langsam erholte, sah er sehr merkwürdig aus. Ich habe Hunderte von Bildern gemacht, und als ich die Fotos durchging, sah ich diese drei, auf denen Menschen ins Bild kommen und wieder verblassen.”

So gewinnt der der chaotische Zufall eine Protagonistenrolle nicht nur auf dem Albumcover. Den Zufall in seinen künstlerischen Produktionsprozess miteinzubeziehen, lässt sich bei Stefan Betke zurückverfolgen bis zu seinem Künstlernamen:

Pole ist einem kaputten Waldorf 4-Pole-Filter zu verdanken, den Betke in seinen Anfangszeiten aus Geldmangel nicht zu ersetzen wusste, und der seinem damaligen Dub-Techno einen eigentümlichen und unverwechselbaren Klang verlieh.

Sein neues Album “Fading” geistert dabei acht längere Stücke lang durch verschiedene atmosphärische Electro-Traumwelten, in denen Rhythmen sich scheinbaren Zufallswendungen hingeben.

Motiviert ist “Fading” dabei von persönlichen Erfahrungen: “Das Album wurde hauptsächlich von der Idee des Gedächtnisverlusts inspiriert“, erklärt Betke:

“Meine Mutter litt an Demenz, und ich sah, wie sie all die Erinnerungen verlor, die sie in ihren 91 langen Jahren angesammelt hatte. Als sie ihr Gedächtnis verlor, verwandelte sie sich in das, was sie wahrscheinlich am Anfang ihres Lebens war, als sie geboren wurde – so etwas wie eine leere Hülle.”

Erinnerungsarbeit mit elektronischen Sounds mag abstrakt erscheinen, und ist sie im Falle “Fading” auch durchaus geworden. Dieser Kopfkino-Experten-Electro-Ambient-Mix holt einen zwar nicht ab, ist aber handwerklich eindrucksvoll und vor allem vielschichtig geworden.

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