„Ist das noch Punkrock?“ Eine Suggestivfrage angesichts der kompromisslos losprügelnden Gitarre von „Ich Feier Euch“, dem Opener vom neuen ZSK-Album “Ende Der Welt”.

Auch der Rest der folgenden guten halben Stunde bleibt dem im Feldversuch der Berliner hinreichend Erprobten treu, laufen die Songs von „Ende Der Welt“ überwiegend knallige zwei bis drei Minuten, was meist auch der Anzahl der darin enthaltenen Akkorde entspricht.

Dennoch: Der Anruf von Rapper Swiss in „Kein Talent“ oder der muntere Kinderchor nebst flotten Bläsersatz in der Ska-Gartenparty „Mach’s Gut“ – ein wenig getunt haben die Altvorderen die neuen Stücke schon, dazu gibt`s mit „No Justice“ einen krachenden Schulterschluss mit Anti-Flag.

Reichlich Dienstjahre hat die Band inzwischen auf dem Buckel, Lebensumstände ändern sich, was im sehr privaten „Stuttgart“ deutlich hörbar, Feindbilder auch oder sie updaten sich von selbst.

Die ZSK-Agitation, die allem besungenen Übel wacker Paroli bietet, wird mit ihrer rituellen Rhetorik auf dem Schlachtfeld der Polarisation wieder verlässlich ihre Adressaten verfehlen.

Thematisiert „Rumstehen“ noch ein Pandemie-Gebot der Stunde, leuchtet das Gros der neuen Stücke wenig differenziert die Ecken von Schwarz und Weiß aus, fragt sich latent, wer mit diesen Erkenntnissen, verortet zwischen Nachrichten in leichter Sprache und vertonter TAZ-Kinderseite, über die eigene Fan-Base hinaus erreicht werden soll.

Vielleicht weitere wache Kids, denn die, die hier das Prädikat „Okay“ bekommen, benötigten bei ihrer Meinungsbildung sicher kein Ständchen. Oder doch die Empörten der Vorgänger-Generation, die auf langen, klimafreundlichen Fahrten an die Küste Portugals den dicken Motor ihrer alten Bullenkarre mit dieser Musik übertönen, um dem Nachwuchs mal richtig zu zeigen, wie Punk-Rock geht?

Egal, „Gemeinsam streiten wir jeden Tag für eine bessere Welt. Wir sind noch nicht am Ende.“ ist ein Statement aus dem Hause ZSK, dem man sich trotz seiner Allgemeingültigkeit anschließen mag.

Die frischen, punktgenau arrangierten Sing-Along-Refrains von „Ende Der Welt“ werden – Sternburg-Katalysator verstärkt – von SO36 bis Conne Island in keimfreier Zeit wieder die Wut aus vielen Kehlen vereinen.

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