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Hayley Williams (Credit Lindsey Byrnes)

Hayley Williams – FLOWERS for VASES / descansos

Hayley Williams findet Gefallen am Alleingang. Die Paramore-Sängerin veröffentlicht nur ein Jahr nach ihrem Solodebüt einen Nachfolger, der wie eine aus feinster Feder gezeichnete Unterschrift unter ihrem Bruch mit der Vergangenheit trocknet.

Gebeutelt von den Nachwirkungen ihrer Scheidung und gezwungen, in gewisser Weise alleine zu existieren, machte Williams 2020 mit „Petals For Armor“ das, wovon sie zuvor stets behauptet hatte, es nie zu tun:

Ein Soloalbum, das abseits des Pop-Punk ihrer Hauptband einen Neuanfang in Nashville artikuliert und mit struppiger Electronica unter psychedelischer Angefressenheit Turbulenzen verdaut, die im Paramore-Kontext niemals funktioniert hätten.

„Flowers for Vases/descansos“ ist laut Williams nun die Vorgeschichte zu „Petals For Armor“ und präsentiert sie noch ein Stück verletzlicher. Im folkig schönen „Inordinary“ singt sie unmittelbar vom Neuanfang in Tennessee im Alter von 14 Jahren, als sie und ihre Mutter vor Williams‘ Stiefvater flohen.

„I don’t want your cancer/ As some constellation price“, heisst es hier zu Beginn, „Came home from school one afternoon, she was waiting in the car for me”, später zu sparsamer, arpeggierter Gitarre. “She said ‘don’t worry.“

Williams lässt in ihren Songs sehr wohl die Sorgen klingen, vergisst aber nicht, sie ihrer Arroganz zu berauben und am Ende so stehen zu lassen, dass sie selten der Mühe wert scheinen.

Vereinzelte Field-Recordings unterstreichen diesen Eindruck, wenn in „Descansos“ eine Zigarette angezündet wird, sie in „HYD“ neu ansetzt, nachdem sie „Are you fucking kidding me?“ fragt, als ein zu lautes Flugezug ihre Aufnahme durchflogen hatte.

Ihre Songs beginnen gerne mit einer gewissen Distanz zur Ohrmuschel, um dann, erneut und letztmalig im finalen „Just A Lover“, umso näher und direkt hineinzuflüstern.

Häufig heruntergebrochen auf Klavier, Gitarre und Ihre Stimme, verzichtet Hayley Williams auf das bisschen Sicherheitsnetz, das ihr auf „Petals For Armor“ noch zwingend erschien. Sie versteht sich hier als Singer/Songwriterin, traut sich schlicht, ohne plump zu sein, und gefällt in den besten Momenten als schöner Vergleich zu Marika Hackman.

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