Black Honey – Written And Directed

Pophass und der feste Glaube daran, dass ein industrielles backing selbst das progressivste Thema zur Marketingangelegenheit werden lassen, haben Black Honey im Jahr 2018 dazu bewegt, mit ihrem gleichnamigen Debüt die britische Rockszene aufzumischen. Jetzt legt die Band aus Brighton nach.

“Written & Directed” heißt das zweite Album der britischen Band, der man die Sehnsucht nach den kleinen und großen Bühnen auf der Insel anmerken kann. Aufgedrehter Bass und die übersteuernde Stimme der Frontsängerin Izzy Baxter-Phillips klingen genau so wenig nach steriler Studioatmosphäre, wie man es nach dem ersten Album nur erhoffen konnte.

Mit gelber Schrift auf schwarzem Grund kommt man an dem Elefanten namens Quentin im Raum wohl kaum vorbei. Dass “I Like The Way You Die” dabei nicht nur vom Titel her ein Zitat aus einem Tarantino-Streifen sein könnte, sondern ein großer Teil des Album auch noch von kompromisslosem Selbstbewusstsein strotzt, das man in Tarantinos Western an jeder Ecke findet, ist bestimmt kein Zufall.

Selbstverständlichkeit ist es, was Black Honey auch auf ihrem zweiten Album immer noch ausstrahlen. Umgeben von alternden Oasis-Brüdern, die ihre unangenehmen Auseinandersetzungen aus dem Familienchat in die Öffentlichkeit übertragen haben und Bands wie Catfish And The Bottlemen, die sich ihr Label mit einem der Jonas-Brüder teilen, wirken Black Honey trotz ihrer jungen Bandgeschichte wie eine unverfälschte Konstante.

Dass Black Honey sich damit eine Dynamik erhalten haben, die vielen im zweiten Album verloren geht, merkt man spätestens an “Disinfect”, das nach knapp 45 Sekunden all die Intensität emuliert, die im vergangenen Jahr den Bühnen dieses Kontinents verwehrt blieb. Und es klingt auch gar nicht so verkehrt, oder?

In diese riesigen Bierrucksäcke, die wie rettende Bojen vor den Festivalbühnen der Welt umherwackeln, passt doch sicher auch ein bisschen Desinfektionsmittel rein.

Facebook
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Login