Die Treue halten, bis dass der Tod uns scheidet. Das ist ein Ideal, das mit der Zeit jedes Paar infrage stellt. Bleiben wir zusammen oder trennen wir uns? Diese Ungewissheit, was passiert, wenn die Reißleine gezogen wird, führt dazu viel zu lange an einer toxischen Beziehung festzuhalten.

Fine Glindvad, Sängerin der Kopenhagener Band CHINAH, verarbeitet in dem Album „Feels Like Forever“ genau solche Gedankengänge. Glindvad beschreibt im Laufe der zehn Lieder spätabendliche Streitgespräche per Telefon, Lügen und sogar Drohungen.

Dabei nimmt sie sich selbst nicht aus der Kritik. In „Mysterious V2“ richten sich die Vorwürfe nicht nur gegen eine Seite: Beide wissen, wie sie von der anderen Person bekommen, was sie wollen und manipulieren sich gegenseitig.

“Feels Like Forever” ist also keineswegs ein Breakup-Album, das die Schuld auf den anderen schieben will. Vielmehr ist es ein reflektierter Abgesang auf eine Beziehung.

Zu Beginn des Albums richtet sich der Blick noch auf die positiven Aspekte der Beziehung mit optimistischen Bildern wie der Ewigkeit und dem Himmelreich. Nach den Streitigkeiten und der Skepsis im Mittelteil – inklusive Andeutungen auf möglichen Alkoholismus („What I’ve Become“) – hinterlässt die dänische Band die Hörerschaft allerdings im Ungewissen.

In „Someday“ gibt es wieder Zweifel an der Trennung („Someday, baby, I’ll get back to you”). Vielleicht wird das Paar doch wieder zusammenfinden? Auch, wenn es im Desaster endet wie im Closer „Shine“: „if we crash go fuck your life plan.”

Den düsteren Lyrics steht eine – auf den ersten Blick – unpassend glatt produzierte Soundwand entgegen. Die stark von Max Martin inspirierten Melodien legen CHINAH auf synthie-lastigen Kompositionen, die an die Popmusik der Neunziger Jahre erinnert.

Aufgepeppt wird der nostalgische Klang durch glitchy Beats und Hip-Hop-Elemente wie auf dem Titeltrack, der eines der Highlights auf „Feels Like Forever“ ist. Dazu kommen Stimmeffekte, die die sonst unauffällige Stimme von Glindvad hervorheben.

CHINAH hat es geschafft die Leistung auf ihrem Debütalbum „ANYONE“ vor drei Jahren eindeutig zu steigern, ohne dabei ihren Stil zu ändern. Einzig die stellenweise sehr repetitiven Texte können das Hörvergnügen stören.

Diese unterstreichen allerdings nur die Hoffnung, dass Fine Glindvad in Zukunft die richtigen Entscheidungen in ihrem Liebesleben trifft.

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