Der Aufenthalt auf „Cracker Island“ konnte für Weltbürger vom Kaliber Gorillaz nur eine Zwischenstation sein. Ziehvater Damon Albarn war in Indien auf der Suche nach Inspiration und hat nach einem Jahr auf dem Subkontinent die dort gewonnenen Perspektiven auf das Leben und den Tod in die neuen Kompositionen von „The Mountain“ für die Kosmopoliten Murdoc, Noodle, Russel und 2D eingepreist.
Entstanden ist ein Album, deren 15 Songs das Leben, den Glauben und die Liebe feiern; in denen Sorge, Trost, Verzweiflung und Hoffnung so üppig instrumentiert wie Bollywood-Filme koloriert sind.
Alles fügt sich in einen Rausch aus Tönen und Stimmen, in Melodien, die grundsätzlich lebensbejahend und dabei wie ein Best-Of aus entschleunigtem Rave, Südstaaten-Beerdigung, Tag der Toten und Karneval klingen.
Auf der Party zwischen dies- und jenseitiger Welt sind auf „The Mountain“ Vertreter beider Seiten zu hören; verstorbene Freunde – unter anderem Dennis Hopper im Titeltrack und in „Delirium“ der legendäre The-Fall-Grantler Mark E. Smith – und aktive Kollegen wie Gruff Rhys oder Yasiin Bey fluten die Platte mit personality.
„The Happy Dictator“ zelebrierte schon vorab leichtfüßigen Pop, der zwar nicht wie einst Boy George per „Bo Down Mister“ im Ethno-Folk-Style „from Bombay To Bangalore“ am Ganges tanzt, dafür gemeinsam mit den Sparks an die euphorischen Hymnen der Pet Shop Boys denken ließ.
Die Mael-Brüder sind wie alle Kollaborateure auf der neunten Gorillaz-Ausgabe – die unter anderem von Mischpult-Legende James Ford produziert wurde – eloquente Partner*innen der Protagonisten, fügen sich vom erdigen Reggae-Beitrag des IDLES-Frontmann Joe Talbot in „The God Of Lying“ bis zur perlenden Johnny-Marr-Gitarre für „The Empty Dream Machine“ in das differenzierte Klangbild ein.
Der immer irgendwo um die Ecke biegende Damon Albarn bleibt der der rote Faden in einem gigantischen Melting-Pod, in dem Sitar, Langhalslaute, Verkehrslärm der Mega-Cities, Gangster-Rap und Sprechgesang mit den Beats euphorisch bis melancholisch verschmelzen.
Arabisch, Englisch, Hindu, Spanisch und Yoruba – mit der Heterogenität der Sprachen und den weltweiten Aufnahmeorten von Mumbai bis Los Angeles und von Damaskus bis London spiegelt „The Mountain“, dass Musik eine der wenigen völkerverbindenden Elemente dieser Tage bleibt.
