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Gorillaz – Cracker Island

Zeitenwende auch bei den Gorillaz? Werden die Protagonisten unter dem „The Last Cult“-Deckmantel zukünftig die Welt mit Wahrheit fluten?

Vielleicht klingt deshalb das achte Album der Grammy-Preisträger noch etwas griffiger als seine Vorgänger, bündeln Murdoc, Noodle, Russel und 2D auf „Cracker Island“ die Tugenden von „Humanz“, „The Now Now” und „Strange Timez“.

Der Erziehungsberechtigte Damon Albarn hat für den Trip zu neuen Ufern einen 10-teiligen Soundtrack komponiert und dabei der Comic-Truppe sein komplettes kompositorisches Know-how in einer bis dato noch nicht gehörten Fusionsdichte zur Verfügung gestellt.

Dabei hat er nicht nur „Possession Island“ melancholischen Tiefgang verpasst, auch in den restlichen Arrangements lässt sich angesichts der bearbeitenden Themenpalette zwischen all den pumpenden Beats eine Prise Schwermut entdecken.

„I think the sadness is come again“ singt es eingangs vom funkigen „Tarantula“, was die Band nicht in ein Meer von Traurigkeit versinken lässt und zu Kollegen von „The Tired Influencer“, der desillusioniert durch seinen Song mäandert, werden lässt.

Mit hellwachem, kritisch-analytischem Blick wird auf die Manipulationsmöglichkeiten – „Where the truth was auto-tuned“ – des digitalen Zeitalters hingewiesen, vor der Gefahr des KI-gesteuerten Verlustes der eigenen Identität gewarnt.

Immer wohnt den dabei Tracks die Verwegenheit inne, mit denen sich die Gorillaz seit jeher bei der Suche nach musikalischen Ausdrucksformen zwischen virtueller und physischer Realität auszeichneten.

Traditionell werden sie bei ihren Vorhaben prominent unterstützt, von der Fleetwood-Mac-Ikone Stevie Nicks, über LoFi-Pionier Beck bis Latin-Trap-Meister Bad Bunny, ergänzen sich die Einsätze der Kollaborateure mit den Vorstellungen ihrer Gastgeber.

Dass „Craker Island” mit dem unbedingten Willen zur Dancefloor-Tauglichkeit unterwegs ist, war bereits dem weit vorab veröffentlichten Titeltrack anzuhören.

Die Songs werden von einem groovenden Motor angetrieben, der „Silent Running“ Eleganz verleiht, „New Gold“ zum Glitzern bringt, „Baby Queen“ über Klangkaskaden perlen lässt, „Tormenta“ Reggea-Appeal verleiht und beim unwiderstehlichen „Skinny Ape“ den Turbo zündet.

Gorillaz werden auch in der neuen Homebase in Silverlake, Kalifornien, stilistische Vordenker bleiben und ihre Visionen hoffentlich weiterhin derart nachdrücklich überliefern, wie auf dieser Platte.

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