serpentwithfeet – DEACON

Bislang haben serpentwithfeet und sein Liebeskummer zusammengehört wie Pech und Schwefel, wie Sommer und Eiscreme, wie Anstand und Maske. Doch damit ist jetzt Schluss: Auf „DEACON“, dem zweiten Album des Musikers, findet sich kein einziger Herzschmerz-Song, aber dafür umso mehr Liebe, Lust und Lebensfreude.

Der Titel der Platte verwundert dabei erst einmal: Was bitte soll denn ein spiritueller Würdenträger mit Zärtlichkeit und Sexyness zu tun haben? Wenn man seine Bedenken beiseite schiebt und sich 11 Tracks lang auf serpentwithfeet einlässt, merkt man im Laufe von „DEACON“: So einiges.

Zum einen spielen die musikalischen Wurzeln des als Josiah Wise in Baltimore aufgewachsenen serpentwithfeet eine nicht unerhebliche Rolle auf der Platte. Neben klassischer Musik waren während seiner Jugend Gospel und sein Engagement im Kirchenchor ein primärer Einfluss, der sich auch auf „DEACON“ nicht wegdenken lässt.

Zum anderen wird aber auch schnell klar, dass serpentwithfeet seine Sinnlichkeit und Sexualität nicht im Dunklen ausleben will. Ganz ohne gebrochenes Herz und mit einer generell befreiten, positiven Sicht präsentiert er uns seine Liebe als das, was sie ist: Schlichtweg schön.

Die hymnenhaften Soul-Songs stellen seine Lover auf ein Podest und Wise betet sein jeweiliges Subjekt der Begierde derart an, wie andere Menschen es mit Heiligen tun.

Die Tracks drehen sich dabei häufig um ganz spezielle Liebhaber, die auch namentlich benannt werden: Es geht um „Malik“, den der Künstler seinen „future king“ nennt und um „Amir“, der so freundlich und warm ist, dass er sich deshalb eine Träne verdrücken muss, um „Derrick’s Beard“, der schmerzlichst vermisst wird.

Im Großen und Ganzen geht es aber um die Liebe an sich – nicht nur die körperliche, auch die platonische. Der letzte Track des Albums macht das überdeutlich:

“Fellowship“, eine Zusammenarbeit mit Sampha, reflektiert die kleinen Momente, die man mit geliebten Menschen verbringt. Fazit: „And I’m so thankful for / My friends, my friends / My friends, my friends / I’m thankful for the love I share with my friends“.

„DEACON“ ist schön, simpel und erwachsen. Es ist aber auch ein Werk, das bahnbrechender wirkt, als uns lieb sein sollte. Sowohl Schwarze als auch schwule Geschichten werden selbst heutzutage noch viel zu selten mit einem Happy End präsentiert.

serpentwithfeet gibt uns mit einer einnehmenden Selbstverständlichkeit gleich 11 Stück davon – dem Himmel sei Dank.

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