Communions – Pure Fabrication

Musikalisch sozialisiert wurden die Martin und Mads Rehof in der Untergrund-Szene, im Umfeld des Kopenhagener Clubs Mayhem. Noch immer sind ihrer Band Communions die Punk-Wurzeln anzuhören, in der aufgeladenen Energie, im treibenden Nach-Vorne. Nur mit weniger Aggressivität.

Die beiden Rehof-Brüder sind jetzt der Kern der Band, Schlagzeuger Frederik Lind Köppen und Gitarrist Jacob van Deurs Formann sind auf dieser Platte zwar noch zu hören, haben die Band aber inzwischen verlassen. Auf der Bühne sind Communions zu fünft.

Kombiniert mit melodischen Popstrukturen, machen Communions daraus einen Punk-Pop-Rock, der erklärtermaßen weniger Punk ist als Indie-Rock. An die Härte der Mayhem-Szene wollen die Rehof-Brüder mit ihrem zweiten Langspieler „Pure Fabrication“ nicht zu nah ran.

Heraus kommt ein tatsächlich eigener Sound, der nie langweilig wird. Das liegt daran, dass das Album selbst eine Entwicklung durchmacht:

In der ersten Hälfte bestimmen noch übersteuerte und plärrende Gitarren den Sound. Die Power dieser Songs kommt besonders auch von Frederik Lind Köppen, in „Learn To Pray“ etwa malträtiert er die Snares mit Besenstielen.

In der zweiten Hälfte wird das Album reduzierter, melodischer – und hat hier die “catchigsten” Songs dieser 60 Minuten zu bieten, wie „Hymn“ oder „Androgyny“.

Die musikalische passt zur inhaltlichen Entwicklung: „Pure Fabrication“ will eine umgekehrte Coming-of-Age-Geschichte erzielen, setzt sich mit Themen wie Befreiung, Unabhängigkeit und Wandel auseinander.

Während die ersten Songs einen vielleicht naiven Protagonisten zeigen, der nicht mehr bereit ist, sich von der Welt zurückhalten und unterdrücken zu lassen, hinterfragt er im Laufe des Albums immer mehr seine Vorstellung von Freiheit, so erklärt Martin Rehof.

„Signs Of Life“ erzählt aus der Perspektive einer künstlichen Intelligenz, die realisiert, dass sie programmiert ist: „Is there something real underneath all that’s been told to me of me?“

Damit haben sich die Brüder sicherlich nicht wenig vorgenommen. Das Konzept bringt dem Album eine Tiefe, die es jeden noch auf eine andere Weise entdecken lässt, der sich damit bewusster beschäftigt. Aber auch sonst kann man sich von diesen Songs gut mitreißen lassen.

„Pure Fabrication“ zeugt von einer Band, die ihren Sound und ihren künstlerischen Anspruch ausloten. Ein Album, das schon Lust macht auf das, was von den Dänen noch kommen mag.

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