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Cancer (Credit Simon Birk)

Cancer – Totem

Man könnte das Gegenteil denken. Cancer ist an und für sich erstmal ein grenzwertiger Name, und wäre das Gesamtprodukt nicht derart berührend und formidabel, der Vorwurf hielte bestand, aber dieses Debütalbum dieses dänischen Duos (nicht zu verwechseln mit der britische Death-Metal-Band gleichen Namens) verweht jeden Groll im Winde der Melancholie.

Cancer sind Nikolaj Manuel Vonsild und Kristian Finne Kristensen, beide bei dänischen Indie-Bands aktiv, die hierzulande eher mäßig bekannt sind, ersterer als Sänger bei When Saint Go Machine und letzterer ist solo als Chorus Grant in Erscheinung getreten.

Und ja, Cancer heißen Cancer, weil ihre Musik eine direkte Verarbeitung und Auseinandersetzung mit der tödlich geendeten Krebserkrankung eines Elternteils von Sänger Nikolaj Vonsild versucht.

Ein Unterfangen, welches mehr als gelungen ist. „Totem“ ist ein wunderschön intimes Indie-Pop-Spektakel der leisen, gefühlsbetonten Sorte. Ein Downtempo-Ohrenschmaus. Der ungewöhnlich vorgetragene Gesang Vonsilds legt sich wohlig warm über die unaufdringlich in den Hintergrund produzierte reichhaltige Instrumentierung.

Eine tief treffende, gleichsam sanft wirkende Klanglandschaft erzeugen Kristensen und Vonsild mit ihren spartanisch eingesetzten Gitarren und Synthies. Das jazzige Schlagzeug (Tobias Tangaa Lange) mit seinen zarten Rhythmusvorstößen und das butterweiche Bass-Spiel (Moogie Johnson) komplettieren einen ganz herausragend unaufgeregten, der Welt entrückten Sound, der gleichzeitig melancholisch, erhaben, schmerzerfüllt und bezaubernd wirkt.

Ein Totem ist der mystisch verbundene Seelenverwandte zwischen einem Menschen und einem Tier oder Naturereignis. Und damit ein stückweit eine undefinierbare Verbindung, der man sich nur spirituell nähern kann. Ähnlich entzieht sich der Zauber dieser leise tretenden Musik banalen Kategorisierungen.

Zarter Art-Folk, nordischer Gefühls-Pop à la Kings Of Convenience: Schubladen mögen einen Rahmen abstecken, sie verhelfen aber nur bedingt weiter bei Cancer.

Wie sich mit ihrer Debüt-EP „Ragazzi“ aus dem Jahre 2014 ankündigte, treffen Cancer auf „Totem“ den goldrichtigen Ton der Melancholie, welche nicht in Mitleid versinken will, sondern durch Gemeinschaftlichkeit Stärke und Überwindung sucht.

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