Dropkick Murphys – Turn Up That Dial

Die Welt lechzt nach dem nächsten Pub-Abend. Mit dem neuesten Album von Dropkick Murphys „Turn Up That Dial“ kommen 11 neue Trinklieder für die passende Playlist dazu. Die Amerikaner bleiben auch nach einem Vierteljahrhundert des Bestehens ihrer Mischung aus Punk und keltischem Folk treu.

Es ist tatsächlich ein doppeltes Jubiläum für die Dropkick Murphys: zu den 25 Jahren ihrer Existenz kommt das mittlerweile zehnte Studioalbum. Wer großartige künstlerische Weiterentwicklung im Laufe ihrer Diskografie sucht, sucht vergeblich.

Vom Debütalbum „Do Or Die“ 1998 bis zu „11 Short Stories About Pain & Glory“ vor vier Jahren könnten jegliche Lieder ohne merkliche Unterschiede zwischen den Alben ausgetauscht werden.

Mit dem Titel „Turn Up That Dial“ deutet das Sextett zwar an, den Schalter hochschrauben zu wollen, klingen aber letztendlich genauso wie schon immer. Mussten sie sich musikalisch weiterentwickeln?

Nein. Für die 24/7-St.-Patrick’s-Day-Fanatiker, die den Sound der Band schon immer mochten, ist es wohl genau das Richtige. Was für AC/DC funktioniert, klappt eben auch für Dropkick Murphys.

Das heißt nicht, dass die Band nicht auch eine kleine Spannbreite an Klangkünsten präsentiert. Die Dudelsack-Enthusiasten schicken ihre Hörer*innen vom Highspeed-Sprint „Good As Gold“ über einen vergleichsweise radiotauglichen „Queen of Suffolk County“ zu diversen DKM-typischen Pop-Punk-Nummern.

Die klangliche Stagnation der Band ist auch in den, scheinbar in der Pubertät hängen gebliebenen, Texten zu erkennen. So besingen sie zum Beispiel in „Middle Finger“ den besagten Finger, den sie aus Protest nicht mehr absetzen oder ihren Drang zur Sach-, Fremd-, und Selbstbeschädigung in „Smash Shit Up“.

Verschwiegen werden darf aber nicht das eindeutige lyrische Highlight „Chosen Few“. Hier prangern sie den den Größenwahn ihres Mutterlands und das langsam bröckelnde, amerikanische Imperium an:

„We’ve traveled to the top, now they’re ready for our fall/ We’ve reached new heights, and seen the sights/ Smell the roses while we can/ For another star has fallen in America“. Bei dieser reflektierten, abgeklärten Hymne verzeiht die Hörerschaft ihnen auch sicherlich, dass Dropkick Murphys sich mit „HBDMF“ selbst ein Geburtstagsständchen singen.

Leadsänger Ken Casey erklärt die Inspiration für „Turn Up The Dial“ wie folgt: „Get up, get out of those sweatpants you’ve been wearing for the last year… Better times are ahead“.

Diese motivierende Ansprache hat zu einem künstlerisch nicht zwingend notwendigen Jubiläumsalbum geführt, das aber zumindest für den nächsten Abend im nächstgelegenen Irish Pub das Gröl-Material liefert.

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