The Coral – Coral Island

Nostalgisch waren The Coral schon immer. Musikalisch einerseits, schien ihr manchmal psychedelischer, manchmal folkiger Rock doch eher in die 70er zu passen als in die 2000er. Inhaltlich andererseits, ist maritime Romantik ein wiederkehrendes Thema in den Songs der Briten aus dem Küstenstädtchen Hoylake.

Insofern liefert die Band mit ihrem neuen Album “Coral Island”, dem mittlerweile zehnten in der Diskografie, nichts Neues. Doch wahrscheinlich waren The Coral selten so sehr The Coral wie hier. „Coral Island“ rahmt den bekannten Stil der Band in eine neue Geschichte.

LP10 ist ein Konzeptalbum geworden, das uns auf der Ferieninsel „Coral Island“ herumführt. Neun Spoken-Word-Titel erzählen, wie wir es uns dort vorstellen können: Eine Strandpromenade mit dem süßlichen Duft von Zuckerwatte. Boote im Hafen. Eine Bar, in der längst vergessene Platten dudeln.

Aber „Coral Island“ ist nicht nur ein Konzept-, sondern auch ein Doppelalbum: Wenn am Ende der ersten Hälfte der Herbst beginnt, wenn die Touristen verschwinden und der Pier schließt, dann realisieren wir, dass alles eigentlich nur Illusion ist: Die Palmen an der Promenade sind aus Plastik, die Attraktionen sind Filmsets aus Pappe.

Coral Island ist ein vergnüglicher und ein mysteriöser Ort. Echt und doch fantastisch. Die Nostalgiebilder, die im Kopf entstehen, haben einen Sepia-Stich. Die Erzählstücke zwischen den Songs, gesprochen vom 85-jährigen Großvater von Frontmann James Skelly und verfremdet mit einem Echo-Effekt, haben da ihre Wirkung.

Die Songs dazwischen klingen so wie immer bei The Coral: Selten länger als drei Minuten, simpel und gerade deshalb so eingängig. Bodenständige Gitarren-Singalongs, mal eher Country („My Best Friend“), mal eher alt-rockig („Faceless Angel“).

Auch der Beatles-Sound ist noch da, etwa im optimistisch-leichten „Summertime“ (samt „Uhh la la la“). Wenn es Winter wird auf “Coral Island”, hören wir auch die ein oder andere akustische Gitarrenballade („Old Photographs“).

Musikalisch ist das keine Neuerfindung. Aber mit ihrem Ausflug auf “Coral Island” machen die Briten aus ihrem bewährten Stil etwas Neues, Spannendes.

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