Alessandro Cortini – Scuro Chiaro

Wer Alessandro Cortini nur von seiner Haupttätigkeit, nämlich der als Gitarrist von Nine Inch Nails, kennt, wird von “Scuro Chiaro” überrascht sein.

Wer aber das sonstige Schaffen des Italieners im Blick hat, kann sich auf ein Album freuen, das bestätigt, was Cortini schon früher von sich vermuten ließ: Er ist ein Klangvisionär, der dazu in der Lage ist, aus sehr wenig sehr viel zu machen.

Auf “Scuro Chiaro” wandelt Cortini zwischen extra-terrestrisch anmutendem Dröhnen in “Lo Specchio”, das gegen Ende mit seinem herzschlagartigen Bass beinahe eine Lovecraft’sche Bedrohung ausstrahlt, und einem minimalistischen Auftritt wie in “Corri”, das sich eher durch Verdichtung und industrielle Klänge auszeichnet.

Das kinematographische Potenzial von Allesandro Cortinis Musik ist beeindruckend und vertont alles vom universellen Zusammenbruch der Dimensionen über die Invasion menschengemachter Roboter bis hin zum Helikopterflug über karge Gebirge.

Christopher Nolan sieht sicher schon den nächsten dimensionverdrehenden Blockbuster in “Scuro Chiaro” und das zu Recht. Cortini macht sehr visuelle und dynamische Musik und lebt dafür.

Für dieses Album hat er sogar ein eigenes Instrument geschaffen, die Strega. Insofern scheint der Bezug zu Nolans aktuellem Film “Tenet” schon gar nicht so verkehrt. Beide denken ihre Medien weiter, in neue Richtungen, um eine Geschichte zu erzählen.

Da wirkt es fast wie das Ende eines intensiven Fiebertraumes, wenn zum Schluss in “Fiamma” kurz Cortinis Stimme zu hören ist. Er greift selbst Fragen auf, was sich viele wohl nach diesem relativ kurzen Album denken dürften: What?

Überwältigt davon, dass die Klangräume, die er kurz zuvor selbst erschaffen und in sich zusammenfallen lassen hat, jetzt nicht mehr da sind, sondern die Stille zurück ist, stellt man sich nach dem Hören von “Scuro Chiaro” selbst die Frage:

Was inspiriert jemanden, etwas zu erschaffen, das so weit weg ist von den weltlichen und teilweise primitiven Impulsen, die Taktgeber in der Rockmusik sind? Wahrscheinlich ist es genau das, was am Ende des letzten Tracks noch übrig bleibt: Die Kraft der Stille und das Aufbäumen dagegen.

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