Half Moon Run – Inwards & Onwards

Würde man Half Moon Run nach ihrer Arbeitsweise fragen, käme wohl keiner auf die Idee, die Devise ‚Weniger ist mehr‘ auszugeben. Die mehrstimmigen Gesänge, die gestapelten Percussions, die Vielseitigkeit des Instrumentariums entsprechen dem genauen Gegenteil.

Quantitativ ist „Inwards & Onwards“ jetzt allerdings genau das: Eine sechs Song starke EP, die besser ist als die beiden Alben davor zusammen, besser als alles, was die Band seit „Dark Eyes“ veröffentlicht hat.

Qualitativ sind die neuen Songs Schwergewichte, besonders im direkten Vergleich zu der luftigen Progressivität ihres Debütalbums. Theatralisch, auf die gute Art, mit Mittelfinger: Eine Zeile wie „You know that I don’t celebrate fucksgiving“ wird vor der Streichertapete Half Moon Runs zu einem zielsichereren Schlag als im Hardcore-Moshpit.

Nach den lauen Folk-Alben, die den erfrischenden Esprit des Debüts nur noch lauwarm verwässerten, nimmt die Band aus Montreal diese willkommene Kurskorrektur vor, die bereits mit „How Come My Body“ greifbar wird.

Wie gut Devon Portielje eigentlich singt, wird hier vielleicht deutlicher als jemals zuvor. Alles scheint auf ihn zugeschnitten, die Gitarren, der Rhythmus, Bass und Synthersizer. Nach 90 Sekunden glänzt er kurz in den oberen Tonlagen. Aber eben nur kurz und nie angeberisch.

Er scheint dem Druck gewachsen und steht auch in „On And On“ jede Pirouette zwischen Neil Young und den Fleet Foxes. Das gilt für den gesamten Bandsound, der voller und gleichzeitig pointierter ausfällt, aber nie breitbeinig wird.

Mit „It’s True“ wachsen Half Moon Run dann über sich hinaus und sind viel mehr Radiohead als Radiopop. Vor angerauten E-Gitarren-Hallfahnen lässt Porielje seine an Thom Yorke geschulte Melodie in die Höhe schrauben und in einem lauten Crescendo brechen.

Noch vier Songs mehr auf diesem Niveau, dann stünde hier ein Album für die Endabrechnung.

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