Marina And The Kats – Different

Vielleicht können sich die einen oder anderen noch an die Zeit erinnern, als Electro-Swing der heißeste Scheiß war. Es war um 2010, als Yolanda Be Cools Hit „We No Speak Americano“ die Charts eroberte und ähnliche Acts, wie Parov Stelar und Caravan Palace, überall gespielt wurden. Der Hype ging jedoch genauso schnell wieder vorbei, wie er gekommen war.

Doch der Swing lebt weiter und inspiriert weiterhin diverse Künstler*innen und Bands. So auch Marina & The Kats. Die Wiener Band mischt den Retro-Sound jedoch nicht mit elektronischen Hip-Hop-Beats, sondern mit Indie-Pop-Klängen und nennt das Ganze Indie-Swing.

Ihr markanter und mitunter auch etwas experimenteller Mix ist auf ihrem vierten Album „Different“ besonders in Songs wie „Ponder“ bemerkbar:

In einen Track im Swing-Stil wird plötzlich ein Refrain wie aus einem anderen Lied eingefügt – poppig, mit anderem Rhythmus und anderen Instrumenten. Die groovy Vorab-Single „Speak Softly“ wechselt ebenfalls zwischen minimalistischen Strophen und lauten Refrains mit E-Gitarren hin und her und entwickelt sich schließlich zu einem R&B-Song.

Trotz dem klaren Fokus auf Swing sind die Einflüsse vielfältig. Mit „Tom Kat“ und „Sorry“ gibt es dynamischen Swing à la Django Reinhardt, woanders geht es mehr in Richtung Blues oder Free Jazz.

Die Band, deren Markenzeichen ein dreigeteiltes Schlagzeug ist, wollte die Energie ihrer Live-Auftritte, die ja lange nicht mehr möglich waren, auf „Different“ festhalten und beschloss, das Album live aufzunehmen.

Entstanden sind Tracks, die bei Konzerten sicherlich wieder die Menge zum Tanzen bringen, aber auch Songs zum Zuhören:

„Just Like You“ ist zum Beispiel eine ruhige Ballade, konzentriert auf Gesang und Akustikgitarre, und in „Goodbye“ begeistert Frontsängerin Marina mit ihrer starken Stimme.

So zeigt das Quartett, dass ihr Indie-Swing nicht immer schnell, laut und tanzbar ist. Es geht auch ruhig, wie „Quiet“ im ¾-Takt und von Streichern begleitet oder auch mit Western-Atmosphäre, wie „The Truth Is Boring“, wo Marina erzählt, anstatt zu singen.

Swing ist also nicht gleich Swing. Das zeigen Marina & The Kats mit ihrem vielfältigen Mix.

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