Bleachers – Take The Sadness Out Of Saturday Night

Während einer Pandemie einen vollen Terminkalender zu haben, grenzt an eine Meisterleistung. Während andere deswegen anfangen, Schach zu spielen, dürfte Bleachers-Frontmann Jack Antonoff eher Probleme gehabt haben, noch Zeit zum Schlafen zu finden.

Denn der 37-Jährige produzierte nicht nur beispielsweise das durch den Grammy-Award zum „Album des Jahres“ gekürte „Folklore“ von Taylor Swift, sondern stand auch für Künstler wie St. Vincent oder FKA twigs mindestens im virtuellen Regieraum.

Dazwischen hat Antonoff aber trotzdem noch Zeit gefunden, um mit „Take The Sadness Out Of Saturday Night“ ein neues Bleachers-Album aus dem Boden zu stampfen. Recht hat er – denn Samstagabende waren noch nie so traurig wie in den vergangenen 18 Monaten.

Der dritte Song „How Dare You Want More” klingt zwar eher wie eine Drohung, verschafft aber dem anstehenden Samstagabend-Blues direkt Abhilfe. Beachige Gitarren treffen auf Lyrics, die zeitweise so schnell rezitiert werden, dass man glauben könnte, dass einschlägige Messenger-Apps nicht die einzigen sind, die die Sinnhaftigkeit von doppelter Geschwindigkeit entdeckt haben.

In der Bridge liefern sich Gitarre und Saxophon einen derart großartigen Dialog, dass es schwerfällt, nicht sofort mitzusingen. Scheint Antonoff auch so zu sehen, denn kurz bevor zum Outro nochmal die ganze Band miteinsteigt, steuert der Frontmann selbstbewusst ein paar Lautmalereien bei.

Überhaupt spielt das Saxophon eine der Hauptrollen auf „Take The Sadness Out Of Saturday Night“. Immer wieder finden sich stilvolle Soli, mal verzerrt, mal ohne zusätzliche Effekte.

Doch gerade da, wo man es am meisten vermuten würde, bricht Antonoff mit den Erwartungen. Unverkennbar, wer da bei „Chinatown“ zur Mitte des Songs den Gesang übernimmt. Dieses Kratzen gehört nur einem, dem Boss; Bruce Springsteen.

Doch statt Saxophon gibt es hier eine gehörige Portion Synthies, die den Achtziger-Vibe, der auf „Take The Sadness Out Of Saturday Night“ immer wieder deutlich durchscheint, angemessen einläutet.

„Stop Making This Hurt“, ebenfalls mit großartigem Saxophon, schreit einem die Titelzeile entgegen und liefert aufmerksamen Zuhörern neben der optimistischen Singalong-Pop-Hymne bei genauerem Hinhören auch Tiefe: „But if we take the sadness out of Saturday night / I wonder what we’ll be left with / Anything worth the fight“.

Bei den letzten drei Songs nehmen Bleachers das Tempo deutlich raus und lassen ihr drittes Album mit einer melancholischen Note ausklingen. Auch hier tauchen immer wieder bekannte Soundschnipsel aus den vergangenen Tracks auf, die die zehn Songs so trotz ihrer Unterschiedlichkeit zu einem großen Ganzen verbinden.

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