Ob es Jack Antonoff wohl nervt, dass, wenn jemand über die Bleachers schreibt oder spricht, immer zuerst erwähnt wird, dass er nicht nur deren Frontmann, sondern einer der größten Pop-Produzenten unserer Zeit ist? Taylor Swift, The 1975, Sabrina Carpenter, Kendrick Lamar, Lana Del Rey, you name them.
Man könnte also meinen, dass er die Formel für den Erfolgshit geknackt hat. Hat er vielleicht auch, aber bei den Bleachers geht es um etwas anderes. Und das stellt „Everyone For Ten Minutes“ unter Beweis. Der Albumtitel bezieht sich übrigens auf die AirDrop-Funktion, die es jedem für zehn Minuten ermöglicht, Daten von allen zu empfangen. Dass mehr nicht auszuhalten ist, sieht also anscheinend selbst die Maschine ein.
Schon seit Beginn ihrer Karriere kommt man bei der Band aus New Jersey in Sachen Referenzen um den wohl prominentesten Landsmann nicht umhin. Klar, die Rede ist von Bruce Springsteen.
Keine Bleachers-Platte ohne reichlich Saxofon und da soll auch das fünfte Studioalbum keine Ausnahme bilden. Dass alle diese Facetten mit äußerstem Fingerspitzengefühl bis zur (Im)perfektion produziert sind, versteht sich von selbst.
Da reicht schon das Intro von „The Van“, das einem den Sound machtvoll um die Ohren schmettert, nur um sich dann zu einer entspannten Mid-Tempo-Nummer zurückzulehnen und die Nostalgie heraufzubeschwören, in der die „glory days“ besungen werden. Klingt klischeehaft, Antonoff verpackt diesen Mix aber in eine dermaßen lässig-clevere Nummer, dass man nicht anders kann als mitzuseufzen.
Was man auf „Everyone For Ten Minutes“ hingegen vergeblich sucht, sind die mitreißenden Hymnen à la „Rollercoaster“, die jede Live-Show zum sakralen Erlebnis machen. Bei manchen Songs braucht es ein mehrfaches Hinhören, um das Potenzial zu entdecken. Und so bleiben Nummern wie „Dirty Wedding Dress“ oder „The Van“ zwar nicht sofort hängen, wenn, dann aber so richtig.
Spannend wird es auch nochmal gegen Ende, wo die Bleachers gänzlich neue Töne anschlagen. „She’s From Before“ kommt als folkige Ballade um die Ecke und „Upstaris At Eels“ beschwört schon im Intro die 80er herauf, macht zum Refrain dann aber doch noch einen Schlenker Richtung Gegenwart. Und da ist es wieder – dieses Saxofon.
Das alles passt wunderbar in das große Ganze. Denn auf „Everbody For 10 Minutes“ spielt Gemeinschaft eine große Rolle. Immer wieder singt Antonoff über „my people“. Nach diesem Album können die Bleachers sich sicher sein, dass sie alle anderen ausgesiebt haben.
