Sam Mehran – Cold Brew

Heath Ledger gewann kurz nach seinem Tod einen Oscar, Franz Kafkas Werke erreichten erst nach dessen Ableben die ganze Welt und auch van Gogh war zu Lebzeiten nur ein unbekannter Maler. Für manche Künstler*innen kommt großer Erfolg tatsächlich erst posthum.

Sam Mehran, der sich 2018 das Leben nahm, veröffentlicht nun aus dem Jenseits sein Album „Cold Brew“. Die Songs darauf sind allerdings nur unvollendete Rohfassungen mit denen ein später Erfolg im Stile von Ledger und Co. nur schwer vorstellbar ist.

Insgesamt 17 Instrumental-Tracks wurde unter Mehrans Namen auf das Album geklatscht. Von Anfang an nudelt sich der Amerikaner von einem Genre-Abklatsch zum nächsten. Am Anfang legt er seine Einflüssen noch selbst offen: „Clashy“ ist an den Sound von The Clash angelehnt und „Bad Religion“ an die gleichnamigen Punk-Legenden.

Das Problem ist nur, dass der Mehrwert solcher Songs unklar bleibt. Der Klang beider Acts ist etabliert, nur war dieser zu deren Hochzeiten eben für die damalige Zeit originell, ausgereift und mit den nötigen rebellischen sowie aneckenden Lyrics versehen.

Nach und nach bestärkt sich das Gefühl, dass „Cold Brew“ eher Stock Music ähnelt als einem kohärenten, künstlerisch wertvollen Werk. Das gesamte Album macht den Eindruck, als hätte Sam Mehran gar nicht die Intention gehabt, die Songs – so wie sie jetzt erscheinen – zu veröffentlichen.

Nicht nur die Produktion der Lieder ist ausbaufähig, sondern es wirken die Titel auch eher wie Platzhalter. Mit „70“, „73“, „66“, „71“, „61“, „74“ und „68“ sind sieben Songs lediglich willkürlich nummeriert.

Andere wie „Loungy“, „Groovie“ oder „Normie“ könnten als Suchbegriffe für das nächste, uninspirierte Stöbern in der Music-Library dienen. Mit der Absicht, die Songs der Öffentlichkeit zu zeigen, wäre wohl etwas mehr Zeit in deren Taufe gegangen.

Letztendlich wirken alle Titel wie unausgereifte, generische Indie-Rock-Songs, die allesamt förmlich nach Stimmeinlagen flehen, um nicht länger lose in der Luft zu hängen. Mehran hat schlicht das falsche Genre gewählt, um Instrumentals zu produzieren.

Zu Lebzeiten hatte er das gelegentlich auch realisiert und hin und wieder Vocals hinzuproduziert – auch, wenn er diese gerne mit diversen Effekten in die Unkenntlichkeit befördert hat.

Klar, seine früheren Releases unter diversen Pseudonymen wie Matrix Metals, Outer Limits Recordings, Wingdings oder Outer Limitz waren alle geprägt von einer Lo-Fi-Ästhetik. Seine posthumen Tracks treiben diese jedoch zu weit und lassen die Hörer*innen mit fragenden Blicken zurück.

So wie das Ende von Mehrans Zeit auf dieser Erde ist auch die Veröffentlichung von „Cold Brew“: verfrüht.

Das Album hätte viel mehr Zeit gebraucht, um die Ideen darauf auszuarbeiten. Mehran hätte an den Tracks noch weiter schrauben müssen, bis sie die Wirkung gehabt hätten, die sie vielleicht hätten haben können.

Es ist zutiefst traurig, dass er die Gelegenheit dazu nicht mehr hat.

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