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Torres – Thirstier

Die Lockdown-Probleme von Anfang 2020 scheinen vergessen. Die Welt von Mackenzie Scott alias Torres ist ein kleiner Kosmos geworden. Sie dreht sich in allen Facetten um ihre Beziehung zur New Yorker Künstlerin Jenna Gribbon. Das ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt ihres fünften Albums “Thirstier”.

Zu den Zeiten von „Silver Tongue“ schon ein wichtiges Thema, beschäftigt sich die Arbeit von beiden primär mit ihrem Leben. Die Social-Media-Auftritte von beiden, die Bilder von Jenna Gribbon, die meisten Texte und Videos von Torres.

Alles dreht sich um die Partnerin oder beide gemeinsam. Das Albumcover zeigt Torres natürlich durch die Augen von Jenna. Die beiden sind so verliebt, so vertraut, so gemeinsam, so gegenseitig unterstützend, haben so tollen Sex. „Horniness on an eternal loop“ als Zitat auf dem Cover-Sticker. Schon fast zu viel des Guten.

„Are You Sleepwalking?“ eröffnet ohne Intro. Klingt so klassisch nach Torres, wie es nur geht. Zerrende Gitarren und Feedbacks unter ihrem treibenden Gesang. Plötzlich im Wechsel mit Elektrobeat und rauem Pop. Trotzdem unverwechselbar. Vergangenheit und Zukunft einer Musikerin vereint in einem Stück?

“Don’t Go Puttin Wishes In My Head” nimmt den elektronischen Pfad auf. Leicht und lieblich fliegt der Gesang zu verliebt zweisamer Hausarbeit dahin. Es wird dichter. Gitarren und Drums kommen dazu, die Lieblichkeit bleibt. Eingängig und flüssig, der Kopf nickt automatisch mit.

„Constant Tomorrowland“ bietet nette Alternative-Pop-Kost fürs Lagerfeuer. „Drive Me“ mutiert von reduziert verhaltenem Retro-Sound zum Stampfer mit viel zurückgehaltener Energie und latentem Hang zum Bombast.

„Big Leap“ ein Ausflug in die Singer/Songwriter Welt.

„Hug From a Dinosaur“, eine der drei Single Auskopplungen. Kräftig und schleppend schnarren ihre Gitarren. Der Track entwickelt sich zur einfachen, aber eingängig grungigen Liebeserklärung.

Der Titeltrack “Thirstier” wechselt zwischen lieblich, sehnsüchtig und explodierend voluminös. „The more of you I drink, the thirstier I get“ packt alles in den Titel-Satz, was wir in den letzten Jahren von Torres gesehen haben. Und es wird langsam doch glaubwürdig bei so viel greifbarer Intensität.

„Kiss The Corner“ bleibt als Elektro-Pop-Einlage isoliert für sich alleine stehen.

„Keep The Devil Out“ öffnet die Bandbreite zum Abschluss nochmal mit einer Kombination aus wummerndem Druck und abstrakt psychedelischer Elektronik.

Eine abwechslungsreiche Scheibe mit vielen Facetten. Mehr Elektronik, aber auch wieder mehr Gitarrenenergie im Vordergrund. Insgesamt komplexer als die früheren Werke. Wenige der Abwechslungen sind nicht ganz stimmige Ausreißer, aber der Rest macht das locker wieder wett.

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