L.A. Salami – Live im Bumann & Sohn, Köln

Bei ausverkauften Konzerten erledigt sich die zurückhaltende Distanz zwischen Publikum und Bühne aufgrund von Platzmangel gezwungenermaßen selbst. Zumindest zu prä-pandemischen Zeiten.

Am gestrigen Montagabend in Köln sieht die Lage anders aus. Schon vor Wochen gingen die letzten Tickets für die Show von L.A. Salami über die Theke. Man weiß also nicht genau, ob es an dem pandemiebedingten Hygienekonzept liegt oder an der kurzfristigen Verschiebung vom Außen- in den Innenbereich des Bumann & Sohn, dass man ohne Probleme während des gesamten Konzerts den Sicherheitsabstand zu allen Beteiligten wahren kann.

Dabei darf man selbst beim Weg an die Theke den Mundschutz in der Tasche lassen. Außer man möchte raus in den Biergarten. Da muss er bis zum Platz wieder getragen werden. Bei solcher Logik kann sich selbst der Angestellte, der einen dazu auffordert, ein leichtes Schulterzucken nicht verkneifen.

Lookman Adekunle Salami, der sein Set passenderweise mit „Monday May Be Coming“ beginnt, braucht gerade mal einen Song, um die Gruppe weiblicher Zuschauer davon zu überzeugen, doch noch ein Schrittchen näher an den Bühnenrand zu treten, vor dem noch gut drei Meter Platz sind.

Aber nicht nur die weiblichen Fans hängen den gesamten Abend an L.A. Salamis Lippen. Egal, wohin man schaut – andächtiges Zuhören, gepaart mit verträumten Blicken Richtung Bühne und gediegenem Kopfnicken. Entspannter kann ein Montagabend kaum aussehen.

Sowieso ist „entspannt“ das Wort, das dieses Konzert am besten beschreibt. Es gibt weder Mitsingchöre, noch Tanzgelegenheiten, die über ein andächtiges Wippen oder Wiegen hinausgehen. Aber dazu fordern auch weder L.A. Salami, noch dessen Akustik-Songs, die neben der Gitarre maximal die Verstärkung einer Mundharmonika bekommen, auf.

Besonders, als der Londoner einen Song damit ankündigt, dass dies seine Antwort auf den Bob-Dylan-Beatles Zwist von „Norwegian Wood“ und „4th Time Around“ sei, kann man die Ähnlichkeit zwischen dem Dylan’schen Großmeister des Geschichtenerzählens und L.A. Salami nicht mehr abstreiten.

Mit einem Unterschied. Denn auch, wenn L.A. Salami kein sprudelnder Wasserfall ist, was die Zwischenmoderationen angeht und das Stimmen der Gitarre höchst konzentriert bei vollkommener Stille stattfindet, taut er gegen Ende des Sets auf und hat so in Sachen Kauzigkeit wenig Ähnlichkeiten mit dem Nobelpreisträger.

Vielmehr sammelt er mit seiner unaufgeregten Art Sympathiepunkte:

„Eigentlich wollte ich heute kleine Pakete mit EPs und einem Download-Code verkaufen. Aber ich habe einfach komplett vergessen, das entsprechende Papier auszudrucken. Tut mir leid.“ Den meisten Vinyl-Aficionados dürfte dieser Zettel sowieso reichlich egal sein.

Bevor L.A. Salami sich aber an seinen Verkaufsstand begibt und laut eigener Aussage den restlichen Abend damit verbringt, sich vor Ort zu betrinken, gibt es mit „Day To Day For Six Days A Week“ noch eine letzte Zugabe. Wenn doch jede Woche so schön starten könnte.

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