Vier Jahre ist es her, dass Lorde, bürgerlich Ella Yelich-O’Connor, mit “Melodrama” ihr letztes Comeback gegeben hat. Damals war sie gerade 20. Und auch jetzt, wieder vier Jahre später, fühlt es sich in einem Musikgeschäft, das Erfolg mit dauerhafter Präsenz auf allen Medien gleichsetzt, erneut wie ein Comeback an. Dabei war sie nie weg.

“Solar Power” ist ein Album voller Nostalgie, betrachtet die eigene Entwicklung mit einer Leichtigkeit, die man von Lorde bisher nicht gewohnt war. Auf “Pure Heroin”, das intensive Debüt eines Teenagers, folgten mit “Melodrama” die dramatischen Leiden, die jeder heranwachsende Mensch nachfühlen kann.

Jetzt stehen seltener prägnante Beats im Vordergrund, Lorde klingt unbekümmerter und haucht viele ihrer Lyrics beinahe ins Mikrofon.

In “Mood Ring” besingt Lorde selbst die frühen 2000er, und klingt gleichzeitig, als hätte sie selbst auch damals die Charts bestimmen können. Seiche Background-Vocals, Samples akustischer Gitarren und gehörig Echo lassen den Track klingen wie der Score längst vergangener Sommer.

Das heißt auf gar keinen Fall, dass “Solar Power” weniger Lorde ist, weniger abwechslungsreich und spannend als die ersten beiden Alben der Ausnahmekünstlerin. Kaum ein Album bringt die Atmosphäre solcher Orte derart auf den Punkt, die zwischen urbaner Unruhe und sonnendurchfluteter Idylle liegen.

An denen der Horizont zweigeteilt ist in die scheinbare Unendlichkeit des Ozeans und die immer näher kommenden Fassaden der Stadtkulisse. Die Welt junger Erwachsener, die sich nach ihren, eigentlich gar nicht so weit entfernten Jugendjahren sehnen – und das mit Selbstbewusstsein tun.

Dann steht nicht mehr die Verzweiflung darüber im Vordergrund, dass diese Zeiten für immer vergangen sind, sondern das Glück, aus diesen Zeiten entstanden zu sein. Lorde erkundet sich selbst, ihre Emotionen als Folge ihrer Einflüsse und begegnet der Freude über die bloße Existenz mit einer Euphorie, die ansteckend ist.

Wenn Lorde uns mit “Solar Power” eines zeigt dann, dass Zufriedenheit eine Urgewalt ist: “I’m kinda like a prettier Jesus.”

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