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Manu Delago – Environ Me

Ein Album mit Klangschalenmusik, das klingt erstmal trocken. Dass es das ganz und gar nicht ist, das hat er schon öfter gezeigt: Manu Delago, Spezialist für das Instrument Hang, zwei miteinander verschweißte Stahlblech-Halbkugeln.

Waren „Metromonk“ noch von buddhistischen Mönchen und „Parasol Peak“ von Gipfelspitzen-Einsamkeit inspiriert, widmet sich Delago auf „Environ Me“ der Umwelt um sich herum: den Elementen der Erde, aber auch ganz beiläufigen Alltagsgeräuschen.

Da hört man das Geräusch von auseinandergerissenen Klettverschlüssen, das Delago in „Curveball“ rhythmisch zusammensetzt. Das Leerschlurfen eines Plastikbechers (in „Autoshred“), eine Fahrradklingel (in „ReCycling“), Schritte im Kies (in „Transformation“). Elektronisch verfremdet, immerwährend wiederholt und übereinander geschichtet, steckt Musik in diesen Geräuschen.

Das sind die Alltagsklänge – einen klaren Umweltbezug hat das Album in den Stücken, die die Naturgeräusche erkunden. Wenn etwa in „Liquid Hands“ das plätschernde Wasser als Rhythmuselement eingesetzt wird.

Oder in „FaunaSauna“ mithilfe des Hang eine ganze Tierwelt um einen herum erschaffen wird, so als ob man mitten in einem Wald säße. Ist das das Klopfen eines Spechts? Und hier das Zwitschern der Vögel?

Im Mittelpunkt steht aber doch das Hang, das in den meisten Stücken die Leadstimme übernimmt. Und womit Delago einmal mehr zeigt, was man diesem Instrument entlocken kann: mal sphärische Ambient-Weiten, mal beeindruckende Virtuosität. In Verbindung mit Elektro-Sounds passen die Klangschalen sogar zu psychedelischem Techno.

„Environ Me“ ist somit durchweg überraschend, vielseitig, spannend. Und manchmal sogar lustig. Etwa, wenn in „ReCycling“ die Daft-Punk-ähnliche Roboterstimme plötzlich in Blechblasmusik à la LaBrassBanda bricht. Und wenn die Elektrotöne in „Pattern Pulse Popcorn“ das Geräusch der explodierenden Maiskörner imitieren, so als hätte man sie selbst auf eine Herdplatte gestellt.

All das erschafft zusammen – und das ist sicherlich eine strapazierte Floskel aus der Albumrezensionen-Mottenkiste, aber hier mal absolut zutreffend – ein wirkliches Klangerlebnis. Zurücklehnen, Augen schließen und entdecken.

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