Public Service Broadcasting – Bright Magic

Konzeptalben scheinen ein aussterbendes Format zu sein – wären da nicht die Briten von Public Service Broadcasting. Unter deren Veröffentlichungen findet sich eine LP über den Wettlauf ins All, darauf folgte eine Scheibe über die britische Kohleindustrie. Mit ihrer vierten Platte „Bright Magic“ knöpfen sich die Art-Rocker nun ein neues Thema vor: Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland.

Für J. Willgoose Esq., anfangs das einzige Mitglied der inzwischen mehrköpfigen Truppe, kommt die intensive Auseinandersetzung nicht von ungefähr: 2019 zog er nach Berlin, wo er bis Anfang letzten Jahres blieb. Das war zwar kein besonders langer Aufenthalt, aber den hat er ganz gut genutzt.

Die Monate in der Hauptstadt verbrachte er unter anderem damit, auf der Leipziger Straße zu flanieren und für seine Soundcollagen die Geräusche der Straßenlaternen aufzunehmen – und natürlich damit, zu komponieren und zu produzieren.

Dafür hat er sich keinen geringeren Ort als die legendären Hansa Studios ausgesucht, wo in den Siebzigern und Achtzigern diverse Alben entstanden, die heute längst zu absoluten Klassikern zählen.

Dass sich Public Service Broadcasting von dieser Ära haben inspirieren lassen, ist offensichtlich. Unter anderem der geniale Industrial-Track „Der Rhythmus Der Maschinen“ beschwört diese Zeit herauf – das gelingt auch dank des fantastischen Blixa Bargeld, den wir auf diesem Stück zu hören bekommen.

Überhaupt haben die Briten sich viel Unterstützung geholt: Die Norwegerin EERA steuert Vocals zu zwei Songs („People, Let’s Dance“ und „Gib Mir Das Licht“) bei und verkörpert mit ihrem Akzent internationalen Charakter Berlins, Andreya Casablanca gibt auf dem poppigen „Blue Heaven“ die Marlene Dietrich und die Schauspielerin Nina Hoss intoniert auf „Ich Und Die Stadt“ stimmungsvoll ein Gedicht.

„Bright Magic“ ist ein atmosphärischer Querschnitt durch die Geschichte einer besonderen Metropole. Der Sound ist bestimmt nicht etwas für jedermann, aber die Stimmung der Goldenen Zwanziger, die Atmosphäre zu Zeiten des Kalten Krieges und der jetzige Status Berlins als Mekka aller Feierwütigen in 11 Songs einzufangen, muss man auch erst mal schaffen.

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