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Suuns – The Witness

Unter all den hirn-lastigen Experimental- und Avantgarde-Bands sind Suuns die mit dem geringsten Anteil an Brutalität in ihrem Schaffen. Kein Vergleich zu manch schmerzender Erfahrung bei den Liars oder Xiu Xiu.

Auf ihrem fünften Album könnte man den Sound des kanadischen Trios beinahe als “hübsch” bezeichnen. Die Spannung entsteht weniger durch dissonantes Rauschen und mehr denn je durch dissonante Töne.

Der Opener „Third Stream“ verlagert den krautrockigen Art-Pop auf die Leinwand, wo Horrorfilm und Arthaus-Kino elegant miteinander verschmelzen. Und wenn Ben Shemie im letzten Drittel zu singen beginnt, entsteht beinahe ein lieblicher Indiesongs mit Ambient-Charakter.

Mit „Witness Protection“ wäre ihnen sogar um ein Haar ein kleiner Indie-Hit der Marke Eels gelungen, wenn man nur die zweite Hälfte im Ohr behält. Doch dann sind Suuns in letzter Konsequenz wieder zu eitel für Ohrwurm-Charakteristik und drehen die angenehme Melodie zum Schluss durch den Effekt-Schredder.

Da muss auch die Stimme von Ben Shemie nur einmal durch, und zwar von Anfang bis zum Ende der Platte. Trotzdem meint man, im Vergleich zu einigen Vorgängern hier tatsächlich auch Wörter zu erkennen und nicht bloß eine Stimme als zusätzliches, lautmalerisches Instrument.

Der Effekt-Wolf verklebt die Songs wie im bezeichnend betitelten „Timebender“ dabei manches Mal wie Kaugummiblasen, ist meistens aber in seiner Einstellung das Element, das den Stücken Luftlöcher genehmigt, durch die ein paar Sonnenstrahlen dringen können – auch wenn Shemie da entschieden widersprechen dürfte.

„Unsere Musik war schon immer düster“, sagt er, auch über „The Witness“. Damit verteidigt er aber womöglich nur Songs wie „C-Thru“, die klingen, als hätte man Daft Punk im Industrial-Keller weggeschlossen.

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