Lange hat es gedauert, bis sich das junge Quintett aus Nürnberg mit einer vollständigen Platte meldet. Bereits 2017 haben [LEAK] ihre erste EP „Noise From The Void“ veröffentlicht. Dann den Preis der Nürnberger Nachrichten gewonnen, gefolgt von Auftritten auf einigen Festivals, unter anderem auf dem Reeperbahn Festival 2018.

Danach kehrte etwas Ruhe in der Öffentlichkeit ein. Corona leistet den weiteren Beitrag dazu. Nach vier Jahren und relativ wenigen Gigs jetzt endlich das Debütalbum „Ghost“.

Schon das erste Stück „Hey“ zeigt, dass die Jahre nicht umsonst ins Land gingen. Leichtgewichtig schweben elektronische Sounds. Unmerklich voranschreitend, verdichtet sich der Song und schiebt gegen Ende vorwärts zu Lust auf mehr. Schon jetzt ein Vielfaches mehr an Musik als bei den Tracks auf der EP.

„Kicking In Open Doors“ erhöht den Melancholie-Level. Die Stimme glasklar im Zentrum. Schlagzeug und Instrumentierung spülen harmonisch um dieses Zentrum. Starke Dynamik zum Abschluss.

„Closeups“ deutlich energetischer. Konkurrenz aus Druck und Stille. Gesang intensiv, druckvoll. Die andere Seite der Band kommt zum Vorschein.

„Screaming Underwater“. Zurecht Singleauskopplung mit Video. „I’m tired of screaming underwater”. Der Klang so klaustrophobisch wie der Text. Gedämpft wie unter Wasser. Gesang sehr ruhig auf den Punkt. Schön und harmonisch. Analog zu den Stücken davor langsam aufbauender Spannungsbogen. Aus Klaustrophobie wird Ernüchterung mit verhaltender Wut. Passend dazu hat sich im Hintergrund ein dichter Teppich aufgebaut.

„Melancholy Mine“ bricht mit dem Titel und dreht die Melancholie und Düsterheit der anderen Tracks um zum technoid stampfigen Tanzstück, ohne die Komplexität zu verlieren. Zur Abwechslung mit männlicher Stimme zur Unterstützung. Zugabenmaterial, damit alle wach und motiviert nach Hause gehen.

„Investigate“ mit seinem starken Sog eines der fesselndsten Stücke. „Don’t underestimate us“ brennt sich ein. Der leicht noisige Mittelteil könnte vielfach so lange laufen, ohne dabei zu verlieren.

„Run“ baut die Spannung nicht langsam auf. Wechsel zwischen reduziert auf den Punkt und maximaler Intensität. Dabei geht es konstant nach vorne. Zusammen mit dem Ende von „Ghost“ das energiegeladenste Stück der Scheibe.

„Alternativer Elektropop“ ist wohl die treffendste Schublade. Wird dem Werk aber in keinster Weise gerecht. Düstere Melancholie trifft auf schwer zähmbare Wucht. Der herausragende, emotional vielseitige Gesang von Sängerin Rachel, eingebunden in anspruchsvolle Musik über Genregrenzen hinweg.

Hochkomplex und eingängig. Filigran und komprimiert. Verletzt, aber immer stark.

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