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Wir können keine idealen Bedingungen schaffen – Yard Act im Interview

Mit viel Humor, einer ordentlichen Portion Zynismus und einer musikalischen Melange aus Rock, Pop, Wave, Punk und Spoken-Word-Vocals sorgen Yard Act für viel Aufsehen in der Szene. Nun erscheint endlich das langersehnte Debütalbum der vier Briten (“The Overload“). Kurz vor der Veröffentlichung des ersten Albums trafen wir uns mit Sänger James Smith und Bassist Ryan Needham zum Interview und sprachen über große Steine, viele Einflüsse und nicht enden wollende Engstirnigkeit.

MusikBlog: Nächste Woche erscheint euer Debütalbum “The Overload”. Wie ist die Gefühlslage, wenn ihr in Richtung nahe Zukunft vorausblickt?

James Smith: Uns fällt ein großer Stein vom Herzen. Die Vorfreude ist wirklich unheimlich groß. Dieses Album steckt schon extrem lang in unseren Köpfen. Wir haben letzten Sommer mit dem Songwriting angefangen und das Album im Januar aufgenommen. Das ist schon eine ziemlich lange Zeit. Wir sind happy, dass die Platte jetzt endlich veröffentlicht wird.

MusikBlog: Wir leben gerade in verrückten Zeiten. Habt ihr je darüber nachgedacht, das Album vielleicht etwas später anzugehen, wenn die Weltlage sich wieder beruhigt hat?

James Smith: Ich glaube, dass man in punkto idealer Zeitpunkt nie wirklich sicher sein kann. Momentan ist es natürlich noch schwieriger. Aber die Dinge liegen nun mal nicht in unserer Hand. Wir können keine idealen Bedingungen schaffen. Das ist nun mal so.

Ryan Needham: Wenn man ehrlich ist, muss aber auch sagen, dass wir es als Band gar nicht anders kennen. Ich meine, wir sind ja in dieser Zeit entstanden. Die Band hat sich mehr oder weniger in dieser Lockdown- und Isolationszeit gegründet.

MusikBlog: Könnt ihr uns ein bisschen mehr über die Anfänge und den Produktionsprozess des Albums verraten?

James Smith: Wir haben erst zu dritt angefangen. Unser Drummer Jay Russell stieß später dazu. Ich denke, dass wir die Band ganz organisch und entspannt aufgebaut haben. Als wir für das Album in Bristol im Studio waren, da hatten wir noch keine Plattenfirma. Es gab also kein Veröffentlichungsdatum, kein Stress und überhaupt keinen Druck, der auf uns lastete. So konnten wir in unserer abgeschotteten Welt einfach nur Musik machen.

MusikBlog: Apropos Musik: Die klingt ziemlich einzigartig. War von Anfang an klar, dass es in eine Soundrichtung gehen wird, in der Spoken-Words-Vocals über einem Mix aus Rock, Pop, Wave und Punk thronen?

Ryan Needham: Uns war es nie wichtig, einem bestimmten musikalischen Konzept zu folgen. Wir hören alle so viel unterschiedliche Musik, die Palette der Einflüsse ist wirklich breit. All diese Einflüsse, Ideen und Visionen haben wir dann an einen Tisch gebracht. Mit jedem fertigen Song haben wir dann gemerkt, in welche Richtung es geht. Das war ein gutes Gefühl. Letztlich macht das Album aus all diesen Dingen ein großes Ganzes, das genau beschreibt, wo wir als Band gerade stehen.

MusikBlog: Was steckt hinter dem Song- und Albumtitel “The Overload”?

James Smith: Der Song bringt das Gesamtbild irgendwie genau auf den Punkt. Es geht um diesen ewigen 24-Stunden-News-Zyklus, dem wir weltweit ausgesetzt sind. Es geht um diesen gesellschaftlichen Zwang und diese Überladung von Informationen.

MusikBlog: In den Texten begegnet ihr der Gesellschaft und all ihren dunklen Facetten mit viel Humor und ausgeprägtem Zynismus. Was macht euch dieser Tage am meisten Angst, wenn es um das Miteinander auf unserem Planeten geht?

James Smith: Da gibt es viele Dinge, die mich stören und die mir Sorgen bereiten. Viel zu viele Menschen denken, dass sie etwas Besonderes wären. Diese Leute lassen keine anderen Meinungen zu und pochen darauf, alles zu wissen und jeden belehren zu müssen. Ich habe ein großes Problem damit, wenn Leute meinen, sie wären komplett und perfekt.

MusikBlog: Habt ihr das Gefühl, dass diese Entwicklung durch die Pandemie noch zusätzlich Feuer bekommt?

James Smith: Ich habe schon den Eindruck, dass die Isolation dazu führt, dass sich Leute mit extremen Ansichten noch weiter abkapseln. Die eigenen Ansichten werden immer mehr gefestigt. Dabei spielt die Richtung auch gar keine Rolle. Egal ob links oder rechts: Die Leute vertiefen ihr Gedankengut immer mehr und lassen nichts anderes mehr zu. Das macht wirklich Angst.

MusikBlog: Von einer Sorge zur anderen, auch wenn die Verhältnismäßigkeiten nicht ganz passen: Habt ihr eigentlich Live-Lampenfieber? Viele Konzerte werdet ihr ja noch nicht gespielt haben, oder?

James Smith: Wir haben vor der Pandemie schon ein paar Gigs gespielt, aber damals in einer anderen Konstellation. Letzten Sommer sind wir dann das erst Mal in der jetzigen Besetzung unterwegs gewesen. Ja, wir waren alle sehr aufgeregt. Aber es war ein großartiges Gefühl.

MusikBlog: Stehen weitere Konzerte auch für die Zukunft ganz oben auf der Wunschliste? Oder habt ihr erstmal andere Pläne?

Ryan Needham: Wir werden bezüglich der Live-Situation natürlich nehmen, was kommt. Da freuen wir uns auch schon richtig drauf. Aber wir schauen auch schon weiter. Wir haben schon viele Ideen für das zweite Album gesammelt. Das ist natürlich auch ein extrem spannender Prozess. Wir werden definitiv Dinge weiter ankurbeln, egal in welche Richtung.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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