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Mitski – Laurel Hell

Des einen Freund, des anderen Feind: Während sich die heranwachsende Generation in Selfies und vor allem Bildbearbeitung übt, weil sie den Job des Influencers, dessen Karriere ohne wesentliches Können nach einem kurzen Stopp über niveaulose Privatsender-Formate ihren Zielhafen schließlich am Ende des Alphabets findet, als absoluten Traum verstehen, hatte Mitski den Rummel um ihre Persönlichkeit satt.

Deswegen kündigte die Musikerin mit japanisch-amerikanischen Wurzeln nach ihrem Erfolgsalbum „Be The Cowboy“ (2018), mit dem sie sich final in den Indie-Mainstream katapultierte und dort Fans wie Kritiker gleichermaßen begeisterte, erstmal eine Pause auf unbestimmte Zeit an.

Aber meistens halten es die Künstler dann doch nicht so lange ohne ihre Profession aus. Und schließlich hatte Mitski ihrem Label Dead Oceans schriftlich auch noch ein weiteres Album versprochen. Von purer Vertragserfüllung ist „Laurel Hell“ hingegen zum Glück so weit entfernt, wie die Schulen in der Pandemie davon, ein von der Politik proklamierter „sicherer Ort“ zu sein.

Wenn Mitski uns also während des Openers „Valentine, Texas“ mit ungewöhnlichen Melodieverläufen zu mystischen Synthie-Einzelgängern auffordert: „Let’s step carefully into the dark“ – dann sollte man ihr unbedingt Folge leisten.

Denn schon nach der ersten Minute merkt man, dass sich das gelohnt hat. Während Mitski selbst noch auf der Suche nach ihrer Persönlichkeit für die heutige Nacht ist, reißt plötzlich der bedrückende Schleier auf und es fällt Licht in die Dunkelheit.

Immer wieder gelingt Mitski auf „Laurel Hell“ das Kunststück, Gegensätze miteinander zu verbinden oder die eigenen Wahrheiten kurze Zeit später als Lüge zu entlarven. Man nehme nur „The Only Heartbreaker“. Seit wann dürfen sich denn bitte Trennungslieder die Freiheit nehmen, so tanzbar zu klingen?

Aber während Mitski so von gebrochenen Herzen singt, könnte man eine Idee bekommen, mit wem sie zuletzt Beziehungen beendet hat. Denn die funky angehauchten Gitarren, mit denen sie auf „Be The Cowboy“ mehr als nur flirtete, sind auf „Laurel Hell“ weitestgehend Synthies gewichen. Ein schlechteres Paar geben die beiden aber nicht ab.

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